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lit.Cologne: Diskussionen über das Verhältnis zwischen Film und Literatur

lit.Cologne : Diskussionen über das Verhältnis zwischen Film und Literatur

Am Rande der lit.Cologne diskutierten Autoren und Filmemacher über das Wechselspiel von Literatur und Film.

"Wenn einer mein Kind schlägt, dann ich." Für Sven Regener ist der Fall klar, nur er kam als Drehbuchautor für Leander Haußmanns Film nach seinem Roman "Herr Lehmann" in Frage. Sieben Fassungen hat er dann selbst geschrieben, musste vor allem kürzen. Und er wehrte sich gegen eine letzte Fremd-Umarbeitung, "in der Sätze standen, die mich vor Scham erröten ließen".

Man sieht schon: So ganz harmonisch ist das Verhältnis von Literatur und Film nicht, das die Film- und Medienstiftung NRW gestern anlässlich der lit.Cologne zum Thema machte. Nicht ganz zufällig, wie Stiftungs-Geschäftsführerin Petra Müller angesichts von 30 bis 40 Literaturverfilmungsprojekten seit Ende 2009 bemerkte. Gewiss, auch Romane brauchen ihre Zeit, doch Julia Franck staunt schon, dass ihr "Lagerfeuer" stolze neun Jahre matt glimmte, bevor es dann demnächst auch auf der Leinwand leuchtet.

Auch die Autorin selbst schrieb vier Skript-Versionen, kehrte dann aber irgendwann zum "Hauptberuf" zurück. Nun bringen Heide Schwochow (Drehbuch) und ihr Sohn Christoph (Regie) die Sache zu Endel und lassen von Francks vier Erzähler-Figuren gerade eine übrig.

"Man muss auch loslassen können", trägt's die Autorin mit Fassung. Ohnehin ist ihr klar: "Dass beim Lesen eines Buchs Bilder im Kopf entstehen, heißt noch nicht viel. Für die äußeren Bilder eines Films braucht es eine ganz eigene Dramaturgie." Doch die Schwochows versichern ihr, dass sich bei allen Veränderungen "am Kern, am emotionalen Zugang nichts geändert habe.

Oskar Roehler kennt das Konfliktfeld als Romancier, Drehbuchautor und Regisseur "Die Unberührbare" zentimetergenau. Fürs Drehbuch zur Kinoversion seines autobiografischen Romans "Herkunft" machte er "eine pragmatische Strichliste, bei der ich sehr effekthascherisch vorgegangen bin. Da stehen zum Beispiel all die komischen Szenen, die ich unbedingt drinbehalten wollte". Das sind offenbar eine gante Menge, denn als Länge peilt Roehler drei Stunden an.

Und es wird im fertigen Film viele Passagen mit "Voice over" (Autorenstimme "über" den Bildern) geben. Diesen Kunstgriff hatte Produzent Bernd Eichinger dem Regisseur Roehler bei dessen Verfilmung von Houellebecqs "Elementarteilchen" streng verboten. Am Rande der Veranstaltung erklärte Roehler, dass man mit diesem Film "immerhin nicht gescheitert" sei. Man müsse aber zugeben: "Das Buch war ein Meilenstein, der Film ist mehr oder weniger vergessen."

Hätte er sich denn als Autor dagegen gewehrt, dass Eichinger die Vorlage aus Gründen der Publikumsverträglichkeit in ihrer grimmigen Gesellschaftskritik abgeschwächt hat? "Ich denke, wenn man mir meinen Grundpessimismus herausnimmt, kann ich gütig mit der Achsel zucken." Will sagen: Kino hat seine eigenen Gesetze.

Und selbst ein- und derselbe Autor geht höchst unterschiedlich mit der Bearbeitung seiner Stoffe um. Produzent Christopf Friedel (Pandora) hat sowohl den soeben angelaufenen "Ruhm" wie die später folgende "Vermessung der Welt" produziert. "Bei ,Ruhm' hat Autor Daniel Kehlmann gar nicht am Drehbuch mitgewirkt, bei der ,Vermessung' schließlich schon - und da war er derjenige, der am entschlossensten geändert und gestrichen hat."

Dass es auch um Kommerz geht, wurde im Hotel im Wasserturm ebenfalls klar: Bestseller werden zur Verfilmung oft beinahe blind gebucht, obwohl Roehler warnt: "Natürlich wird einem auch so etwas wie Charlotte Roches ,Feuchtgebiete' angeboten, obwohl man 95 Prozent nicht zeigen kann."