Philharmonie Köln Donnerklang und Poesie

KÖLN · Es gab eine auffällige musikalische Verbindungslinie zwischen dem Programm des Amadeus Chamber Orchestra of Polish Radio unter Agnieszka Duczmal und jenem von Daniil Trifonov/Mikhail Pletnev einen Tag zuvor.

 Charmante Interpretin: Olga Scheps bei der Probe in Köln.

Charmante Interpretin: Olga Scheps bei der Probe in Köln.

Foto: Thomas Brill

Nach Frédéric Chopins zweitem Klavierkonzert hörte man nun das erste. Von dem Eindruck und der Bewertung des Sonntagabends ist nichts zurückzunehmen. Aber die über Daniil Trifonov allseits hereingebrochenen Lobeshymnen sollten nach dem Auftreten von Olga Scheps wohl doch ein wenig gebändigt und ihr euphorischer Zungenschlag kritisch reflektiert werden.

Die gebürtige Russin und heutige Wahlkölnerin kann immerhin auf einen Mentor der besonderen Art verweisen, auf Alfred Brendel nämlich. Das ist eine Auszeichnung, deren Rang nicht davon tangiert wird, dass dieser singuläre Künstler ganz besondere Sympathien für den amerikanisch-taiwanesischen Jung-Pianisten Kit Armstrong hegt (auch er spielte vor kurzem in der Philharmonie).

Olga Scheps interpretierte Chopins Opus 11 mit ungemein klarer Tongebung und großer Luzidität, die man als weiblich zu charakterisieren geneigt sein könnte. Die attraktive, schlanke Künstlerin zeigte sich jedem geforderten Donnerklang des Werkes (Oktavparallelen, Trillerketten etc.) gewachsen. Ihre besondere Stärke zeigte sich freilich in den Lyrismen der mittelsätzigen Romanze. Da durfte man wieder an Bellinis Belcanto denken, den Daniil Trifonov für Chopin so nachdrücklich reklamiert.

Das Amadeus Chamber Orchestra of Polish Radio (ehemals Orchester des Polnischen Rundfunks und Fernsehens) assistierte der Solistin unter dem ebenso umsichtigen wie anfeuernden Dirigat Agnieszka Duczmals mit der Streicherfassung von Richard Hofmann. Sie ist akzeptabel, auch wenn man die originalen Bläserfarben schon ein wenig vermisst.

Ein gänzlich anderes Bild ergab sich bei der von der Dirigentin selber erstellten Einrichtung von Modest Mussorgskis Stück "Bilder einer Ausstellung". Die prunkvolle Orchestrierung von Maurice Ravel muss man zunächst sicher streng aus den Ohren verbannen, und beim "Großen Tor von Kiew" ist selbst der originale Klavierklang dem von auch noch so vielen Streichern voraus.

Doch man wurde zunehmend offen für die wirklich gekonnte, mit raffinierten Spielanweisungen arbeitende Adaption Agnieszka Duczmals, welche die Farben des Werkes auch als Dirigentin gebührend herausstrich.

Mit einem vibrierenden, schlanken Mozart (Divertimento KV 138) hatte sich das Orchester günstig eingeführt, mit dem Schlussteil von Rossinis "Tell"-Ouvertüre verabschiedete es sich rassig-temperamentvoll. Olga Scheps? Zugabe (Glinkas "Lerche") bezauberte namentlich durch die Poesie des Ausdrucks.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort