Tanzfestival „Into the fields“ im Theater im Ballsaal Bonn Ein faszinierendes Spektrum des Ausdrucks

Bonn · Fünf „Studies“ zeigen, was Körper über unsere Zeit erzählen und wie sie es tun. Michèle Murrays Werk kam in einer deutschen Erstaufführung im Rahmen des Festivals „Into the fields“ ins Theater im Ballsaal. Sie war dem Ensemble auf die Körper choreografiert.

Eine Studie des Ensembles Play/Michèle Murray.

Eine Studie des Ensembles Play/Michèle Murray.

Foto: Alain Scherer

Die Bezüge zum „Modern Dance“ waren unübersehbar. Ein Geschehen, stets über die Tanzfläche verteilt, ohne optisches Zentrum, natürliche Körperbewegungen als Grundlage und Musik, die nichts vorgibt, eher Klangkulisse ist oder mit ihren Beats das Tempo von Aktionen bestimmt. Die „Atlas/Studies“ der amerikanisch-französischen Choreografin Michèle Murray mit Ausbildungen in klassischem und zeitgenössischem Tanz entstanden 2018 in Montpellier und waren am Freitag in deutscher Erstaufführung zu sehen. Die sieben Tänzer und Tänzerinnen der Company „Play/Michèle Murray“ zeigten fünf der zehn „Studies“ im Theater im Ballsaal.

Momentaufnahmen von Körpern

Es sind Skizzen, hinter denen die Frage steht, was Körper über unsere Zeit erzählen und wie sie es tun. Daraus ergibt sich ein Strom von Momentaufnahmen des menschlichen Körpers in Konstellationen, Bildern, Bewegungen und von Mimik geprägten Aussagen. Die stark auf Geräuschen basierte, dann wieder als Klangfläche scheinbar stehende oder von pumpenden Sequenzer-Beats getragene Musik (Gerome Nox, David Tudor und John Fahey) evozierte häufig den Eindruck von Clubathmosphäre. Faszinierend an den „Atlas/Studies“ ist das Spektrum des körperlich-gestischen Ausdrucks. Die „Study #9“ zu Beginn integriert Haltungen und Posen wie beim Fotoshooting für Social Media. In „Study#10“ stehen sich zwei Tänzer gegenüber, sehen aber aneinander vorbei, bis ein Rhythmus sie zu Bewegungen animiert wie im Fußball oder beim Tennis. Die „Study#04“ wiederum macht, zu kakophoner Musik, Anleihen beim Gebaren auf Rock- und Metal-Konzerten mit Luftgitarren, pompösen Sänger-Gebärden und aggressivem Auftreten. Die „Study#07“, entspannt, balletthaft, integriert sogar so etwas wie einen „Pas de trois“.

Der Company war anzumerken, dass ihr die „Studies“ auf den Leib choreografiert wurden. Sowohl im Hinblick auf den körpertechnischen als auch auf die darstellerischen und gruppendynamischen Komponenten wirkte ihr Tanz dicht und intensiv.

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