Bonner Arithmeum Eine Annäherung an das Phänomen Mozart

BONN · Einen bezaubernder Mozart-Abend mit Fritzi Haberlandt, Ulf Schneider und Stephan Imorde gab es im Bonner Arithmeum zu erleben.

 Mozart zu Ehren: (von links) Stephan Imorde, Ulf Schneider und Fritzi Haberlandt.

Mozart zu Ehren: (von links) Stephan Imorde, Ulf Schneider und Fritzi Haberlandt.

Foto: Jürgen Kabus

"Mir war", erinnert sich Antonio Salieri, "als hätte ich eine Stimme Gottes gehört." Der Wiener Hofcompositeur war Zeuge einer Offenbarung. Durch Mozarts Bläser-Serenade B-Dur (KV 361) sprach Gott für ihn zu den Menschen. Doch das Medium, das Er sich für diesen Zweck ausgewählt hatte, fand nicht die Billigung des Kapellmeisters: Gottes Stimme erklang aus einem obszönen Kind.

In seinem Stück "Amadeus" aus dem Jahr 1979 erzählt der englische Dramatiker Peter Shaffer die Geschichte einer radikalen Rivalität. Im Zentrum steht das Duell zwischen dem mittelmäßigen Komponisten Salieri und der Kraft, die seinem überlegenen Rivalen Mozart innewohnt: Gott. Dies ist, bei aller Distanz zum Geniebegriff des 19. Jahrhunderts, den Shaffer nachempfindet, noch immer die beste Erklärung für Mozarts Einzigartigkeit.

Im Bonner Arithmeum näherten sich die Schauspielerin Fritzi Haberlandt, der Geiger Ulf Schneider und der Pianist Stephan Imorde im Rahmen der WDR-3-Reihe "concerto discreto" mit Wort und Ton dem Phänomen Mozart. Thema des Abends: "Ach, ich habe meinen Liebsten verloren ..."

Haberlandt las aus dem Tagebuch von Mozarts Frau Constanze. Schneider und Imorde stellten in Werken wie der Sonate D-Dur KV 306 und Thema und Variationen g-Moll über "Hélas j'ai perdu mon amant" dar, was Mozarts Musik im Übermaß besaß: Leichtigkeit und Charme, aber auch Tiefe und, wenn nötig, das Pathos der letzten Dinge.

Fritzi Haberlandt ließ die entscheidenden zehn Jahre in der Beziehung zwischen Wolfgang Amadeus und Constanze Revue passieren. 1781 kamen sich der "fesche Kerl" (Constanze) und die dritte von vier Töchtern von Franz Fridolin Weber und Maria Cäcilia Cordula Stamm näher; 1791 starb Mozart. Haberlandt stellte mit wunderbarer Natürlichkeit Stimmungen und Empfindungen Constanzes dar.

Mal war sie keck, mal leidenschaftlich, mal kakteenhaft verletzend ("blöde Hutschachtel"), mal zartgliedrig poetisch. Haberlandt erschien als Stanzerl erfüllt von Lust und Frust, es steckten viele tiefe Seufzer in ihren Tagebucheinträgen. "Ich habe ihn gesehen", notierte sie, "ihn, Wolfgang Amadé Mozart, habe in seine unendlich wasserblauen Augen geschaut und sogleich ein Beben in mir gespürt."

Von unendlicher Trauer ist sie überwältigt, als sie vom Tod des ersten Kindes berichtet. Schneiders und Imordens Darbietung von Thema und Variationen g-Moll über "Hélas j'ai perdu mon amant" war wie eine kunstvoll ausformulierte, hoch emotionale Wehklage. Leben und Alltag mit Geldsorgen und vielen Umzügen kamen an diesem Abend auch zu ihrem Recht. In Haberlandts Darstellung wurde die kluge Beobachterin Constanze plastisch. Ein bisschen diktatorisch fast drängte sie sich als Muse auf, nötigte Mozart zur Komposition einer Fuge.

Schneider und Imorde spielten die Fuge KV 402 a-Moll mit großer Intensität und Hingabe, die an Constanzes Urteil über die von ihr angeschobene Fuge gemahnte: "Da ist der Himmel ganz weit geworden." Zur Kunst addierte sich im Konzertraum des Arithmeums auf vollkommene Weise die in den Texten aufgehobene Lebenserfahrung. Der Abend erhellte das Phänomen Mozart, ohne es vollständig erklären zu können. Der Komponist, so viel wurde deutlich, muss ein Liebling der Götter gewesen sein.

"Ach, ich habe meinen Liebsten verloren ..." wird am Dienstag, 1. Mai, 20.05 Uhr, im WDR 3 Konzert gesendet.

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