Kammerspiele Bonn Erinnerungstheater zeigt Goldonis "Die schöne Ferienzeit"

BONN · Die hohe Gesellschaft lebt auf Pump. Täuschung ist alles, das Leben ein einziges Theater. Denn auch wenn das Geld nicht da ist, will der Schein schließlich gewahrt werden. Dieses Gehabe hat der italienische Barockdichter Carlo Goldoni in seiner "Trilogie der Sommerfrische" porträtiert und pointiert.

 Szene aus "Die schöne Ferienzeit".

Szene aus "Die schöne Ferienzeit".

Foto: Szokody

Es ist ein Stoff, der nach Opulenz schreit, nach optischen Entsprechungen an den vorgetäuschten Luxus des Adels - und ein Stoff, der ein hohes Tempo fordert, um den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten, in dem die bissigen Pointen wie Blitze hin- und herzucken. Eine Anforderung, der sich die Wuppertaler Bühnen erst im Oktober trotz (oder gerade wegen) drohender Kürzungen mit Erfolg gestellt hatten - und an der die Senioren des Bonner Erinnerungstheaters nun bei der Premiere ihrer stark gekürzten Goldoni-Fassung mit dem Titel "Die schöne Ferienzeit" im Foyer der Kammerspiele Bad Godesberg leider trotz aller Bemühungen scheiterten.

Vor allem die Dialoge zeigten die Schwächen der Laienschauspieler. Während sich etwa Wolfgang Dittrich als verarmter Adliger Leonardo dann zu behaupten vermochte, wenn er seine kraftvollen Monologe sprach, ließ er in den Gesprächen mit seiner Angebeteten Giacinta (Mechthild Hammerschmidt) jenes Feuer und jenen Witz vermissen, der schon Shakespeares Benedikt zu einem ebenbürtigen Gegner der scharfzüngigen Beatrice machte.

Ähnlich erging es Thea Kämpgen in der Rolle von Leonardos Schwester Vittoria: das Publikum ansprechend wunderbar bissig, konnte sie dieses Talent im Umgang mit den anderen Charakteren (vor allem gegenüber Giacinta) nicht voll zur Entfaltung zu bringen. Zumal die ständigen Wechsel zwischen dem die Gedanken verdeutlichenden Sprechen ins Off und der normalen Rede eine zusätzliche Schwierigkeit darstellten, die die Akteure nicht zu bewältigen wussten.

Lediglich zwei Schauspielern gelang es, in den Gruppenszenen zu glänzen: Harald Storm, der sowohl als mahnender Fulgenzio als auch als Angestellter Tito souverän agierte, und die mit natürlichem statt aufgesetztem Witz überzeugende Uschi Groth als die heiratswütige alternde Witwe Sabina.

Zu diesen schauspielerischen Komplexitäten gesellte sich ein inhaltliches: Statt den umfangreichen Goldoni-Stoff, von überflüssigem Ballast befreit, als gesellschaftskritisches Stück über die hohe Welt der Finanzen zu inszenieren, in der manche Geld ausgeben, das sie nie hatten, standen im Mittelpunkt von "Die schöne Ferienzeit" der Modewahn der weiblichen Figuren sowie das sich ständig drehende Liebeskarussell.

Der schnöde Mammon kam zwar immer wieder zur Sprache, wurde aber zum Beiwerk degradiert, das Symbolische zur Hauptsache - und die "Trilogie der Sommerfrische" ihrer eigentlichen Aktualität beraubt.

Was blieb, war ein skelettiertes Stück, das, trotz der Reduktion, durch die geforderten mehreren Sprachebenen (Off-Stimme, Dialog-Stimme) für das Erinnerungstheater einfach eine Nummer zu groß war.

Weitere Termine: 4. und 25. März. Karten in den Bonnticketshops der GA-Zweigstellen.

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