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Schauspiel Köln: Ernstes Thema, komisches Stück: "Habe die Ehre"

Schauspiel Köln : Ernstes Thema, komisches Stück: "Habe die Ehre"

Eigentlich müsste die auf engstem Raum geballte Männlichkeit ja ausreichen, um die nebenan eingesperrte "Hure" zur Strecke zu bringen.

Der gehörnte Gatte hat sich am Liebhaber seiner Frau schon mal warmgeschossen, und auch Vater, Schwiegervater und Bruder der Untreuen stünden zum Ehrenmord bereit. Doch Schande her, Rache hin - die Pistole wandert wie eine heiße Kartoffel von Hand zu Hand.

Den einen zwickt's im Rücken, den anderen schreckt der Knast, und so schlittert das Komplott geradewegs in die Farce. "Habe die Ehre" tauft Ibrahim Amir seine böse "Parallelgesellschaftskomödie", die nach der Wiener Uraufführung (2011) nun im Kölner Schauspiel ihre umjubelte Deutsche Erstaufführung erlebte.

Dabei reagiert das Publikum im Depot 2 zunächst verhalten. Gewiss, die Nationalität der "Helden" bleibt offen. Doch darf man, gerade in Köln-Mülheim, über derart archaische Macho-Rituale mit Migrationshintergrund lachen? Immerhin garantiert der Autor, ein nun in Wien lebender syrischer Kurde, dass sein Stück nicht fremdenfeindlichen Wurzeln entspringt. Sondern leidvoller Erfahrung, weil er mit zwölf Jahren einen doppelten Ehrenmord in seinem Dorf erlebte.

Amir kennt somit die Risiken seiner Komödie, denn in der blutigen Realität reicht der "Mut" der Paschas ja gerade dafür aus, die wehrlose Frau, Schwester oder Tochter nach alter Väter Sitte zu töten. Im Lauf des Abends freilich zeigt sich, dass Lächerlichkeit die krude Selbstjustiz wirksamer ächtet, als jede Tragödie dies könnte.

Kölns Intendant Stefan Bachmann sperrt das Personal in einen aufgebockten Wohncontainer (Bühne: Thomas Garvie), in dem er die Parade der schlappschwänzigen Kraftmeier abnimmt. Den Ehemann (Jakob Leo Stark) lässt schon der Knall seiner Knarre bewusstlos umkippen, der Bruder (Johannes Benecke) ist zwar zu klug, um mitzumachen, aber zu schwach, um auszusteigen. Der Schwiegervater (Benjamin Höpp-ner): ein Stammtischdröhner; der Vater (Guido Lambrecht): ein jähzorniger Jammerlappen.

Ihnen allen gelingen im Pulverfass verletzter "Familienehre" nur Fehlzündungen, die Bachmann mit bitterböser Verve und makellosem Timing auf den Pointenpunkt bringt. Sekundenschnell kippt stilles Brüten in schrilles Wüten, das Sabine Orléans - brillant als stoische Mutter - manchmal nur mit einem kräftigen Schluck aus der Pulle erträgt. Doch beiläufig wird auch das Drama von Zwangsheirat, erzwungenem Schulabbruch und einer gefühlskalten Ehehölle erzählt, aus der sich nur der Mann ungestraft zu Seitensprüngen davonstehlen darf.

Mit der alarmierten Polizei platzt dann die Mehrheitsgesellschaft ins Einwanderermilieu. Wobei Amir es mit doppeltem Kauderwelsch virtuos schafft, beide Seiten aneinander vorbeireden zu lassen. Wenn nun der doch nicht erschossene Liebhaber (Mohamed Achour) ebenso auftaucht wie seine unversehrte Geliebte (sexy und selbstbewusst: Julischka Eichel), scheint alles ins typische Boulevard-Happy-End zu stürzen, Doch davor setzt der Autor eine Stolperschwelle, über die Bachmann sein glänzendes Ensemble mit voller Wucht ins absurde Schlussbild brettern lässt. Und nach dieser kurzweilig-komischen Schocktherapie ließ das Publikum sowohl Autor wie Regieteam und Mimen im Jubel baden.

Info

Knapp 1½ Stunden ohne Pause. Nächste Termine: 25., 28., 29. 5., je 20 Uhr.Karten unter www.bonnticket.de und in den Bonnticketshops der GA-Zweigstellen