Joss Stone in Köln Erträgliche Leichtigkeit des Seins

Joss Stone hat ihre Fans bei ihrem Konzert im Kölner E-Werk mit Soul-Perlen verzaubert. Selbst tropische Temperaturen im restlos ausverkauften Kölner E-Werk konnten der guten Laune von Joss Stone offenbar nichts anhaben.

 Immer gut drauf: Die Britin Joss Stone.

Immer gut drauf: Die Britin Joss Stone.

Foto: ap

Bei ihrem einzigen NRW- Konzert vor rund 2000 Fans präsentierte sie sich während des rund 100-minütigen Konzerts in bester Stimmung. "No matter whether you sing in or out of tune", beim Singen spiele es keine Rolle, ob man die richtige Tonlage treffen würde, so animiert sie ihre Fans zum Mitsingen.

So einfach wie ein Rezept für Bratkartoffeln lautet also Joss Stones Rezept für exzellente Soulmusik, die sie mit der ebensolchen Unterstützung einer insgesamt achtköpfigen Begleitband jedoch als perfektes Dinner zelebriert.

Mit "(For God's Sake) Give More Power To The People" startet Joss Stone einen schimmernden Reigen von Soul-Perlen, darunter manche glänzende Wiederentdeckung aus den 70er und 80er Jahren.

Mit dem Honey Cone-Cover "While You're Out Looking For Sugar" offenbart die Sängerin ihr atemberaubendes Können. Sie phrasiert wie ihr großes Vorbild Aretha Franklin, nur übermütiger, jubiliert wie Whitney Houston zu ihren besten Zeiten, findet selbst für eruptivste Emotionen einen adäquaten klanglichen Ausdruck und verschmilzt förmlich mit einfühlsamen Chorpassagen.

"Don't take life so seriously, don't take yourself so seriously", man solle das Leben und sich selbst nicht so ernst nehmen, verkündet Stone als Kalenderspruch-Weisheit. Das Verblüffende ist nur, dass sie tatsächlich selbst als wandelndes Beispiel dafür gilt, dass mit dem Lebensgefühl persönlicher Unbeschwertheit musikalische Empathie und Ernsthaftigkeit nicht zwangsläufig verloren gehen müssen.

Die durchaus erträgliche Leichtigkeit des musikalischen Seins von Joss Stone darf nicht mit Oberflächlichkeit verwechselt werden, die ihre Soul-Retrospektive letztlich unerträglich machen würde. Bei "Teardrops", dem Hit von Womack & Womack" offenbart Joss Stone ihre interpretatorische Klasse, indem sie keine Rücksicht auf die Dancefloor-Tauglichkeit nimmt, sondern den Song mit bluesiger Trennungs-Wehmut singt.

Ältere Titel wie "Super Duper Love" provozierten gleichfalls frenetischen Jubel für eine Sängerin, die musikalisch alles bietet, nur eben nicht Skandale für die bunten Blätter.

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