Fabelpianist Arcadi Volodos in der Beethovenhalle

Der russische Musiker, den viele in der direkten Nachfolge von Vladimir Horowitz sehen, scheint verwachsen mit seinem Instrument. Mit seiner ausdifferenzierten Anschlagskultur und großartiger Sensibilität erntete er beim Beethovenfest Begeisterung ohne Grenzen.

 Viel Kunst, viel Ehr': Arcadi Volodos ist Echo-Klassik-Preisträger.

Viel Kunst, viel Ehr': Arcadi Volodos ist Echo-Klassik-Preisträger.

Foto: dpa

Bonn. Die Klaviersonate in h-moll von Franz Liszt war beim Beethovenfest mehrfach zu hören, zuletzt nun durch Arcadi Volodos, den russischen Fabelpianisten, den viele in der direkten Nachfolge von Vladimir Horowitz sehen.

Was die manuellen Fertigkeiten angeht, befindet sich Volodos gewiss auf Augenhöhe mit dem legendären Virtuosen. Wo der allerdings eine Technik an den Tag legte, die üblichem Klavierspiel diametral entgegengesetzt war, scheinen bei Volodos Tastatur und Hände naturhaft miteinander verwachsen, seine Finger bedienen nicht eine komplizierte Maschine, sondern formen einen weichen Teig.

Seine unglaublich ausdifferenzierte Anschlagskultur machte etwa aus den lyrischen Melodien in der Sonate zauberhafte, poetische Ereignisse, aus der Fugato-Episode ein hinreißend spritziges Gebilde, aus dem "Grandioso"-Thema eine beklemmende Bekenntnismusik.

Und seine phänomenale Technik spielte er in den gefürchteten Prestissimo-Oktaven im Finale mit einer schier übermenschlich wirkenden Lockerheit aus. Insgesamt erwies sich Volodos als Romantiker, der das epochemachende Werk als großes Ringen einer leidenschaftlichen Seele interpretierte.

Extreme Detailzeichnung und exzentrische Deutungen vermied er, spielte allerdings keineswegs pauschal. Immer wieder lenkte er die Aufmerksamkeit auf verborgene Zusammenhänge. Nahm sich Volodos hier viele Freiheiten im Tempo, so gab er die den Abend eröffnende a-moll-Sonate von Franz Schubert (D 784) auffallend streng.

Den Grundrhythmus im Kopfsatz hielt er unerbittlich durch, die Musik ereignete sich wie eine Art magisches Ritual. Wunderbar entrückt gelang auch das Andante, sehr prägnant, trotz hexenhaften Tempos, das Allegro.

Mit großartiger Sensibilität näherte er sich auch den drei Intermezzi op. 117 von Johannes Brahms, machte deren zarte Melancholie, Schwermut, verhangene Trauer hörbar, ohne dick aufzutragen. Die Begeisterung in der Beethovenhalle kannte keine Grenzen, und Volodos bedankte sich mit sechs Zugaben.

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