Begeisterung für Haydn und Beethoven Fabian Müller und Paavo Järvi in Köln

Köln · Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen und ihr Chefdirigent begeistern in der Kölner Philharmonie mit ihrem jüngsten Komponistenprojekt, das Joseph Haydn und seinen letzten Sinfonien gilt. Dazwischen erinnern sie mit dem ersten Klavierkonzert an ihre Kompetenz in Sachen Beethoven. Am Flügel: der Bonner Fabian Müller.

Dirigent Paavo Järvi.

Dirigent Paavo Järvi.

Foto: Kaupo Kikkas

In der Regel hält sich die Vorfreude der Klassikfans in überschaubaren Grenzen, wenn ein Orchester eine Aufnahmeserie mit Sinfonien von Joseph Haydn ankündigt. In der Trias der Wiener Klassik, die er gemeinsam mit Mozart und Beethoven bildet, ist er der am meisten unterschätzte Komponist. Wenn sich aber die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen und ihr langjähriger Chefdirigent Paavo Järvi der Sache annehmen, sieht das ein bisschen anders aus. Das hat Gründe: Seit sie vor gut anderthalb Jahrzehnten ihren legendären, in enger Zusammenarbeit mit dem Bonner Beethovenfest entstandenen Beethoven-Zyklus vollendeten, sorgen sie mit ihren komponistenbezogenen Projekten immer wieder für Furore. Nach Schumann und Brahms ist nun Haydn mit seinen späten Londoner Sinfonien an der Reihe.

„Orchestra of the Year 2023“

Nachdem sie für ihre Einspielung der Nummern 101 und 103 bereits Kritikerlob eingesammelt haben und im Oktober per Publikums-Voting vom britischen Klassik-Magazin „Gramophone“ zum „Orchestra of the Year 2023“ gekürt würden, sind sie derzeit mit den Londoner Sinfonien auf Tour. Auch beim fast ausverkauften Gastspiel in der Kölner Philharmonie trafen sie auf ein begeistertes Publikum: So klatschfreudig wie an diesem Abend erlebt man die Kölner selten. Man ließ entgegen jeder eingeübten Konzert-Etikette praktisch keinen Satz aus, um danach zu applaudieren.

Tatsächlich ging es mit der Sinfonie C-Dur Nr. 97 gleich packend zur Sache. Bis auf die ventillosen Trompeten und Hörner kommen zwar keine historischen Instrumente zum Einsatz, aber Klang und Spielweise orientieren sich hörbar an den Errungenschaften der Alte-Musik-Bewegung. Ihr Spiel besitzt Biss, rhythmischen Drive und bei aller technischen Perfektion und klanglicher Transparenz, mit der das großartige Orchester punktete, eine mitreißende und ansteckende Leidenschaft. Das kam auch in der zum Abschluss des Abends aufgeführten Sinfonie Nr. 102 in B-Dur zum Tragen, in der auch das Solocello im langsamen Satz sehr schön hervortrat. Das virtuos und lebendig gespielte Presto-Finale bot dann pures Hörvergnügen. Ebenso wie die hinreißenden Zugaben von Jean Sibelius und Haydn.

Wilde Zugabe

Zwischen den beiden Haydn-Sinfonie kamen die Bremer dann doch noch einmal auf Beethoven zurück, dessen erstes Klavierkonzert auf dem Programm stand. Wie schon beim Eröffnungskonzert des diesjährigen Beethovenfestes, bei dem er das Tonhalle-Orchester aus Zürich dirigierte, lud Järvi den Bonner Pianisten Fabian Müller als Solisten ein. Man hörte ein perfekt eingespieltes Team, wobei Müller mit seinem ebenso energischen wie klanglich fein ausbalancierten Spiel, das im ersten Satz seinen Höhepunkt in der langen, virtuosen Kadenz fand, ausgezeichnet mit der Spielkultur des Orchesters harmoniert. Er brachte die emotionale Tiefe des Largos zum Klingen und die Noten des Finales zum Tanzen. Das Publikum reagierte mit großem Jubel. Und erhielt als Dank eine wilde Rachmaninow-Zugabe.

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