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"Single Moms": Frauenmuseum zeigt Alleinerziehende in Kunst, Geschichte und Gegenwart

"Single Moms" : Frauenmuseum zeigt Alleinerziehende in Kunst, Geschichte und Gegenwart

Eine Frau im Nachthemd liegt auf dem Sofa. Sie ist schwanger, ihr gerundeter Bauch deutlich erkennbar. Wer das Foto sieht, möchte sich mitfreuen.

Doch dann ändert sich die Szenerie: Immer mehr Kinderspielzeug, bunte Ikea-Becher und Schulhefte bedecken die unbewegliche Schwangere, bis sie vollständig von Alltagsgegenständen verdeckt ist. Mit einem Mal löst die Bilderreihe der Fotografin Silvia Philipp einen Schauder aus. Eindringlich und anschaulich führt die Ausstellung "Single Moms" den Besuchern die Last alleinerziehender Mütter vor Augen.

Dabei geht der Blick in alle Richtungen: Ein erster Teil beleuchtet das Schicksal Alleinerziehender im Laufe der Geschichte: Im 17. Jahrhundert war das Auspeitschen und Inhaftieren lediger Schwangerer in den "Unzuchtsgesetzen" als angemessenes Strafmaß festgeschrieben. 1897 löste die Schriftstellerin Franziska zu Reventlow einen Skandal aus, als sie sich zur "Freien Mutterschaft" bekannte und den Vater ihres Kindes als unbedeutend verschwieg.

Von den aktuellen Problemen der Single-Mütter in Kenia und Ruanda, Jordanien und Korea berichtet ein anderer Ausstellungsteil. In Brasilien entstehen spezielle Arbeitsplätze für "Madres solteras", weil viele Männer dort die Vaterschaft als "optionale Verpflichtung" begreifen und ihre Ex-Familien gänzlich unversorgt zurücklassen.

Denkanstöße ganz unterschiedlicher Art geben auch die Kunstwerke, viele von alleinerziehenden Müttern geschaffen. Nicht alle sind so verstörend wie die Eröffnungs-Performance der chinesischen Künstlerin Jiny Lan, bei der das Bildnis eines Mannes ("Konfuzius") in Rückenlage so lange übermalt und zerschnitten wird, bis er zu einem Gebärenden wird, der unentwegt Babys produziert.

Besucherin Anja, 35, ist mit ihrem fünfjährigen Sohn gekommen. Die Alleinerziehende sieht in der Ausstellung eine gute Möglichkeit, das wichtige Thema weiter nach vorne zu holen. "Ich glaube, dass es viel mehr von uns gibt, als es den anderen in der Gesellschaft bewusst ist. Was genau das Alleinsein für die Mütter im alltäglichen Leben bedeutet, wissen viele immer noch nicht."

Die Werke könnten dabei helfen, das zu ändern. Manche von ihnen sind böse, wie die zwei mal zwei Meter große Kuscheltier-Installation von Monika Stubig, die auf den ersten Blick anheimelnd wirkt, sich dann aber als Friedhof der Verstoßenen entpuppt. Andere möchten den Frauen Mut machen, den Blick nach vorne zu richten, wie die farbigen Porträts von Mariola Hornung. Die auffällige Filzinstallation "Tragetücher" von Thyra Holst bringt den Inhalt der Ausstellung kurzgefasst auf den Punkt: "Die Single Mum trägt ihr Kind. Und wer trägt die Single Mum?"

Die Ausstellung im Frauenmuseum, Im Krausfeld 10, ist geöffnet dienstags bis samstags von 14 bis 18 Uhr, sonntags von 11 bis 18 Uhr und am Ostersonntag von 14 bis 18 Uhr (Karfreitag geschlossen).