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Jazzfest in Bonn: Fünf Nachwuchs-Jazzer treten beim JazzBeet an

Jazzfest in Bonn : Fünf Nachwuchs-Jazzer treten beim JazzBeet an

Fünf junge Trios treten als Finalisten im Wettbewerb „JazzBeet“ des Jazzfests Bonn an diesem Samstag an. Ein Beitrag zum Beethoven-Jubiläumsjahr.

„Finde Deine eigene Stimme, denke quer, wage Neues und habe Mut zum künstlerischen Risiko“: Mit diesen Worten versuchte das Jazzfest Bonn, junge Jazzmusiker zu animieren, sich dem internationalen Wettbewerb „JazzBeet“ zu stellen. Hochinteressante Musiker, die kaum jemand kenne, Leute mit viel Potenzial, freut sich Intendant Peter Materna: „Weltweit gibt es junge Jazzmusiker, die auf einem enorm hohen künstlerischen Niveau komponieren und musizieren. Wir wollen mit diesem Wettbewerb einige der spannendsten Projekte sichtbar machen.“

Der bereits für 2020 geplante und von der Beethoven-Jubiläumsgesellschaft geförderte Wettbewerb richtet sich an junge Trios. Die sollten ein rund 40-minütiges Programm in petto haben mit mindestens einem Stück, das sich mit Beethoven befasst.

Jazzpianistin Julia Hülsmann in der Jury

Im Sommer 2019 war die Ausschreibung. Im Februar 2020 nominierte die Jury, bestehend aus Julia Hülsmann (Jazzpianistin), Roger Hanschel (Saxofonist) und Ulrich Stock (Journalist, „Die Zeit“), gemeinsam mit dem Projektbüro des Jazzfests Bonn sechs Finalisten, die um den Hauptpreis von 5000 Euro plus Auftritt beim Jazzfest und gestaffelte weitere Preise ringen. Johanna Summer aus Plauen ist abgesprungen, fünf Trios bleiben. Zwei davon werden ihren Beitrag am Donnerstag einspielen. Drei Ensembles streamen ihre Stücke am Samstag live. Alle Wettbewerbsprogramme laufen im großen Saal des Post Towers zusammen, wo die Jury unter Konzertbedingungen ihr Urteil fällt. „Beim Test habe ich die Ohren angelegt, es war toll wie ein Livekonzert“, sagt Materna, „eine schöne Entdeckungsreise“.

Überraschung aus Ungarn

Zu den Finalisten zählt das D.A.S. Trio aus Ungarn, eine Formation, die mit Keyboard, E-Bass und Schlagzeug der Jury ganz gehörig einheizen wird. Da wummert die Orgel in schönster 1970er-Manier, ist der Bass äußerst funky unterwegs, und das Schlagzeug mischt die gut eingespielte Gruppe auf. Schade, dass sie nicht auch noch den Teufels-Gitarristen Peter „Peta“ Lukacs dabei hat, mit dem sie 2020 im Budapester Jazz Club Opus auftrat.

Das Münchner Trio Interspaces der Schweizer Jazz-Sängerin Fiona Grond kommt mit ungewöhnlicher Besetzung aus Gesang, Saxofon und Gitarre daher. „Beheimatet im Jazz, wagt sich die Formation in experimentelles Gelände, Struktur trifft Sphäre und Klangwelten öffnen ihre bodenlosen Weiten“, schrieb das Jazzfest München über die Formation um die Sängerin. Mit einer etwas rauen, sehr eindringlichen Stimme schafft Grond eine sehr besondere, sphärische Stimmung, die Gitarre und insbesondere Saxofon zu ausgedehnten Soli animiert.

Zwischen Pop und Experimentell

Aus Italien kommt das HarpBeat Trio, das ebenfalls mit einer exotischen Instrumentierung auffällt: elektrisch verstärkte, keltische Harfe, E-Bass und Schlagzeug. Sehr zu empfehlen sind Konzertmitschnitte des Trios auf Youtube mit traumverlorenen Melodien, balladesquen und rockigen Elementen. Manchmal darf’s auch eingängiger Pop sein.

Der in der Schweiz lebende französische Pianist Matthieu Mazué übernimmt mit seinem Trio einen eher experimentellen Part. Besetzt mit Piano, Kontrabass und Schlagzeug, übt sich das hervorragende Ensemble lustvoll und gekonnt in der Dekonstruktion eigener Kompositionen. Wenn die Musik kollabiert: „Data Are About To Collapse“, ein tolles, 2020 im Berner Sonarraum eingespieltes Stück, führt vor, wie aufregend das sein kann (siehe Youtube).

Die Kunst des Tempowechsels

Auch das Trio des US-amerikanischen Pianisten Will Kjeer lässt aufhorchen: Besetzt mit Piano, Kontrabass und Schlagzeug, verbreitet es eine sehr reife, virtuose, spannende Spielkultur – wie man sie von dem Martin Tingvall Trio oder dem Ensemble von Emil Brandqvist kennt – mit schönen Tempo- und Temperamentwechseln und furiosen Überraschungen.

„JazzBeet“ läuft den ganzen Samstag. Das Jazzfest Bonn produziert eine Videodokumentation, die auf Youtube gezeigt werden soll. Weitere Formate wie ein „Making of“ sowie Beiträge über den Wettbewerbstag sind auf Instagram und Facebook zu sehen. Weitere Informationen: www.jazzfest-bonn.de