Bonner Theater Für Joachim Fiedler fällt der Vorhang

BONN · Überrascht wird er wohl nicht gewesen sein, die Nachricht kam dennoch unverhofft: Joachim Fiedler, langjähriger kaufmännischer Direktor des Bonner Theaters, soll gehen. Zum Monatsende soll er nach GA-Informationen seinen Schreibtisch räumen.

"Dass da was im Busche war, war schon seit Wochen klar", so ein Insider. Zwischen Generalintendant Bernhard Helmich und Fiedler soll es "öfter mal gerappelt" haben. Am Freitag ist er von Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch informiert worden, dass sein Posten "so schnell wie möglich" neu besetzt werden soll. Weder Fiedler noch Helmich wollten sich zu dem Vorgang äußern.

Ab 1. Januar jedenfalls wird Fiedler nicht mehr an seinem Schreibtisch sitzen. Was dann mit dem leitenden städtischen Verwaltungsdirektor geschehen soll, steht noch nicht fest. Als Beamter hat er zwar Anspruch darauf, eine gleichwertige Stelle zu bekommen, "doch die gibt es in der Verwaltung nicht", wie ein Mitarbeiter feststellt. Der Oberbürgermeister lässt über seine Sprecherin Monika Hörig jedenfalls erklären: "Herr Fiedler überlegt, mit Vollendung des 63. Lebensjahres in den Ruhestand zu gehen - voraussichtlich Mitte nächsten Jahres."

Die Politik wurde gestern von der Nachricht überrascht: Für FDP-Chef Werner Hümmrich war Fiedler stets ein wichtiges Bindeglied zwischen künstlerischer Leitung und Rat. Für den kulturpolitischen Sprecher der CDU-Ratsfraktion, Markus Schuck, ist das jedenfalls "ein ungeheuerlicher Vorgang". Gerade zu einem Zeitpunkt, da das Theater vor der schwierigen Aufgabe stehe, jährlich rund 3,5 Millionen Euro einzusparen, sei nicht nachvollziehbar, warum man sich von dem bewährten kaufmännischen Leiter trenne.

Offensichtlich liegt aber genau da der Hase im Pfeffer. Beteiligte berichten, dass es zwischen Helmich und Fiedler häufig Unstimmigkeiten gegeben habe, weil Helmich eine Art Controlling einführen wollte. "Er wollte monatlich die Zahlen für Einnahmen und Ausgaben vorgelegt bekommen", so ein Mitarbeiter.

Da seien wohl zwei Welten aufeinandergeprallt: hier der in der alten kameralistischen Haushaltsführung verhaftete Beamte, dort der künstlerische Leiter modernen Zuschnitts mit neuen Vorstellungen der Finanzführung. Helmich käme sich bei seiner Sparaufgabe vor, "wie im Blindflug das Ziel zu erreichen", so ein Mitarbeiter.

Fiedler ist ein erfahrener Verwaltungsmann: Von 1977 bis 1992 war er im städtischen Personalamt tätig, bis er die Leitung der Personalabteilung des Schauspiels Bonn übernahm. Ab 1998 war er stellvertretender kaufmännischer Direktor, im Januar 2004 löste er dann Rolf Oltmanns ab.

Dass es Helmich ernst ist mit der Sparvorgabe des Rates, zeigte er schon vor Antritt seines Postens, als er einen Vertrauten vorschickte. Heinz Dieter Sense, der mittlerweile als kaufmännischer Geschäftsführer der Bayreuther Festspiele über die 30 Millionen Euro teure Sanierung des weltberühmten Opernhauses wacht, "hat in jede Abteilung reingeschaut und etliche Personalgespräche geführt", berichtet ein Mitarbeiter des Theaters.

Der 73-jährige frühere Intendant der Berliner Festspiele und Krisenmanager der Deutschen Oper hat Helmich schon oft beraten. Auch in Chemnitz. Dort allerdings hatte Sense vor fünf Jahren Medienberichten zufolge empfohlen, den kommunalen Zuschuss fürs Theater jährlich um 4,2 Millionen Euro zu erhöhen - und das sechs Jahre lang. Andernfalls sei das künstlerische Niveau des Theaters nicht zu halten, warnte er damals.

Im künstlerischen Bereich will Helmich auch nicht sparen. "Ich sehe Einsparmöglichkeiten nur durch Strukturveränderungen innerhalb des Betriebs, die nur klein und auf jeden Fall unspektakulär sind, aber viel Arbeit machen. Wir werden in jeder Abteilung prüfen, wie man die Abläufe besser aufeinander abstimmen kann", zitierte ihn unlängst die "Welt". Jürgen Repschläger (Linke) meint, dass es unmöglich sei, 3,5 Millionen einzusparen: "Das traue ich niemandem zu."

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