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Tanztheater „Into the fields“: Fulminanter Auftakt

Tanztheater „Into the fields“ : Fulminanter Auftakt

Die italienische Produktion „Harleking“ eröffnet im Theater im Ballsaal das Tanzfestival „Into the fields“. Der Bezug auf den Schelm der Commedia dell’Arte ist doppelbödig: Das Lachen bleibt mitunter im Halse stecken.

Aus der Schwärze dringt entrücktes Kichern und Glucksen, anfangs noch recht sympathisch, dann zunehmend zwanghaft und fast hysterisch. Das Kichern gleitet in ein gluckerndes, plätscherndes Wassergeräusch über. Auf dem weißen Tanzboden krümmt und schüttelt sich das italienische Tanzduo Ginevra Panzetti und Enrico Ticconi vor ekstatischem Vergnügen. Die Produktion „Harleking“ eröffnete am Sonntagabend im Theater im Ballsaal die neunte Ausgabe des internationalen Tanzfestivals „Into the fields“, kuratiert von Rafaële Giovanola (Cocoondance) und Karel Vanek (Tanzwerke Vanek Preuß). Bis zum 29. Oktober stehen elf weitere Aufführungen im Endenicher Ballsaal und in der Beueler Brotfabrik an.

Panzetti und Ticconi tanzen gemeinsam seit 2008, sie leben und arbeiten in Turin und Berlin. Mit ihrem „Harleking“ haben sie einen kecken und überraschenden Reflexionstrip entwickelt, dessen Ausgangsbasis und Zielort eine tänzerische Hommage an den „arlecchino“ ist, den Harlekin aus der italienischen Commedia dell’Arte. Zu hypnotischen Industrial Beats (Sounddesign von Demetrio Castellucci) lässt das Duo imaginäre Maskeraden auftauchen und wieder verschwinden, synchrone Bewegungsmuster deuten Metamorphosen an, es changieren Freude und Trauer, Schmerz und Lust. Die schwarze Montur des Duos ist nur auf den ersten Blick neutral – an den Hosennähten verweisen güldene Ziernähte auf nostalgisches Gauklertum. Panzetti und Ticconi zelebrieren die wohl berühmteste Figur der Commedia dell’Arte, die auf der Bühne alles darf.

Ihr „Harleking“ ist jedoch nicht nur ein Schelm, der doppelbödig feixt. Dieser „Harleking“ ist auch ein vielgesichtiger Dämon, hinter dessen Charisma sich Abgründe auftun. Und so ist es kein langer Weg bis hin zur Massenhypnose, zum diktatorischen System mit faschistoider Prägung inklusive angedeutetem Hitlergruß. Am Ende wird aus einer tröstenden Umarmung ein Würgegriff – pointierter kann man Ambiguität kaum ausdrücken. Glucksendes Gekicher schließt den Kreis. Ein fulminanter Auftakt für das renommierte Tanzfestival.

Weitere Termine und Informationen unter www.bonn-dance.net