Galeristin Mi Posselt zeigt Werke von Gerhard Altenbourg

Bonner Galeristin wagt ein extravagantes Projekt - Schwerpunkt der Ausstellung des "Malerpoeten" bilden Farbholzschnitte aus den siebziger und achtziger Jahren

Galeristin Mi Posselt zeigt Werke von Gerhard Altenbourg
Foto: Franz Fischer

Bonn. Anhaltende Faszination für den als "Malerpoeten und Jean Paul der Malerei" bekannten Gerhard Altenbourg (1926-1989) hat die Galeristin Mi Posselt bewogen, ein extravagantes Projekt auf die Beine zu stellen.

Dessen Schwerpunkt bilden Farbholzschnitte, entstanden in den siebziger und achtziger Jahren. Klassische Motive, die sich im Wesentlichen auf Figur und Landschaft konzentrieren, erscheinen eingetaucht in welkes Grün, verblasstes Schwarz oder in eine gedämpfte Braunskala.

Poetisch gefärbt sind Bildunterschriften, die vielfach wie lyrisch-philosophische Kondensate wirken. Ins Auge stechen Linienschwünge, die schattenhafte Naturandeutungen und dahinhuschende Figurumrisse zu einem detailvertrackten "Gewebe" (Altenbourg) verspannen.

"Der Künstler (Zeichner) hat vieles versteckt, mit einer diebischen Freude am Versteckspiel," bemerkte der ab 1950 in radikaler Zurückgezogenheit in Altenburg in Thüringen lebende, in sich gekehrte Einzelgänger.

Es verquicken sich bei Altenbourg motivische Mischformen, Kippbilder, Annäherungen zwischen Luft- und Wassersphären, sinnbildhafte Wurzelreiche und elysische Sphären.

Ernst, Meditation und Humor, Spiel sowie Lust und Schrecken, Literatur, Kunst, Philosophie lagern gleichermaßen dicht beieinander. Arkadisch anmutende Wasserlandschaften sind Schauplätze charakteristischer Doppelbödigkeiten und Verwandlungs-Fantasien.

"Lust am Handwerk, am Malen - Entstehungsprozess", dies bestimmt die Existenz des traumatisiert aus dem Krieg heimgekehrten Gerhard Ströch; ab 1955 eignet sich der 1959 mit Holzschnitten beginnende Teilnehmer der documenta 2 den Nachnamen Altenbourg an.

Eigensinnige Experimente bilden die technische Grundlage großartiger, intimer Blätter. Holzfundstücke oder Utensilien aus der Eremitenklause (so etwa Stuhlbeine) werden kurzerhand umgerüstet zu Druckstöcken.

Mi Posselt, Bonn, Kurfürstenstraße 50, bis 15. September. Mi-Fr 15-18 Uhr und nach Vereinbarung unter (0228) 22 07 81 (Ferienpause: 16. bis 31. August).

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