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Ganz schön heiß: "Hot Arp" am Rolandsecker Künstlerbahnhof

Ganz schön heiß: "Hot Arp" am Rolandsecker Künstlerbahnhof

Das Kunstprojekt soll vor allem benachteiligten Jugendlichen Kunst und Kultur zugänglich machen. Mit Graffitis, Street Dance, Rap oder Filmen können sie ihre Talente zeigen. Die Resonanz ist gewaltig.

Remagen/Sinzig. Ungewohnte Impressionen am und im Arp Museum Bahnhof Rolandseck: Bei den Gleisen halten junge Leute mit Farbdosen auf einen Bretterzaun, im Neubau geht es unter Daniel Spoerris Kunst tänzerisch ab und separat rauchen andere Köpfe über einem Rap.

"Hot Arp" sei Dank. Das einwöchige von der Lotto-Stiftung Rheinland-Pfalz geförderte Kunstprojekt heißt so, weil die Kompetenzagentur Sinzig-Bad Breisig-Remagen und das Angebot Schulverweigerung - die 2. Chance im Haus der offenen Tür (HoT) es gemeinsam mit dem Arp Museum anbieten. Wenn es heiß (englisch: hot) wird um Museumspatron Hans Arp, dann aber insbesondere, weil die Dada-Kunst nie erkaltete, sondern in modernen Kunstbewegungen wie Rap, Street Dance oder Film weiterlebt.

Spielerisch und provozierend, kommt Dada dem Lebensgefühl Heranwachsender entgegen. Davon sind die Konzeptersteller, Museumspädagogin Susanne Blöcker und die pädagogische HoT-Mitarbeiterin Anja Drieling, überzeugt: "Wir möchten vor allem benachteiligten Jugendlichen Kunst und Kultur zugänglich machen. Das Projekt verbindet Jugendliche unterschiedlichster Herkunft, die durch dasselbe Interesse, nämlich Kunst, Tanz und Musik, ein gemeinsames Ziel verfolgen: Die Produktion eines Musikvideos."

Rapper-Sound von KRS-One, Afu-Ra und Creutzfeld & Jakob befeuert die Sprayer vor der 20 Meter langen Wand. Künstler Kay Michelt (Sinzig), Assistent Nico Krahforst (Bad Breisig) und Kunsthistorikerin Annette Krapp erarbeiteten mit den Teilnehmern den Entwurf "Watch out for Arp" (Ausschau halten nach Arp).

"Wir geben Hilfestellung, greifen aber in erster Linie ihre Ideen auf", so Michelt. Jeder bringt sein eigenes Piece (Schriftzug) ein. Hinzu kommen laut Graffiti-Jargon so genannte Characters, figürliche Darstellungen. Was die beiden Felixe, Mario, Stefan und Fabian besonders schätzen, ist die Möglichkeit, neue Leute kennen zu lernen und legal mit kostenloser Farbe eine große Fläche zu besprühen.

Unglaubliche Dynamik entfalten im Richard Meier-Bau die Street-Dancer. Wo sonst Pressekonferenzen stattfinden, stampfen Füße, drehen sich Körper, klatschen Hände zur Musik und zum rhythmischen Zählen von Samuel Yankey, ausgebildeter Tänzer und Sozialpädagoge beim HoT. Wenn er "fünf, sechs, sieben, acht" oder "Step, Step, hoch" ruft, vollziehen 20 Leute die gleiche Bewegung auf dem Parkett. "Drei Stunden täglich ist für Ungeübte eine Superleistung", lobt Yankey, der weiß: "Sie kommen mit Muskelkater, haben aber Spaß, gemeinsam an einem Ziel zu arbeiten."

Befragt, wie sie das Tanzen finden, antworten Jenny, Rebecca, Santamaria und Jacqueline jedenfalls mit einem schwärmerischen "schön". Mustafa Tarraf, der zurzeit ein Soziales Jahr in der Janusz-Korczak-Schule Sinzig absolviert, hat alle 15 Leute seiner dortigen Hip Hop AG zum Workshop mitgebracht. Er ist begeistert von den "guten Ideen".

Die Rapper stimmten sich durch Dada-Gedichte von Hugo Ball und Hans Arp ein, bevor sie ihren Sprechgesang kreierten. "Beim Rap geht es darum, aus dem eigenen Leben zu schöpfen", erklärt Couch Damir Mesic. Die Jugendlichen diskutierten über ihre Stellung in der Gesellschaft, die Unterscheidung nach arm und reich, Inländer und Ausländer. Im Songtext umreißen sie ihre Generation zwischen Ehrgeiz und Motivation, Hartz IV, "chillen" und "Playsi zocken".

Im Refrain schallt es dann frisch und frech: "Das ist unsere Generation, Zeit für ne Revolution, ich kann Dir Gründe nennen, ne Million, die Gesellschaft ist fake (Schwindel), wie Brüste aus Silikon."

Zuletzt wird die Graffiti-Wand, die ein Jahr vor Ort verbleibt, die Kulisse für die Performance der Street-Dancer bilden. Raphael Gilles, Seyithan Kaya und Lutz Drieling führen die Kamera beim Video-Clip, der am Sonntag im Museum für alle Interessierten präsentiert wurde. Nun kann man den Clip im Internet-Videoportal Youtube anschauen.