Geigerin Viktoria Mullova im Beethoven-Haus

BONN · Viktoria Mullova hat mit Werken für Violine solo im Bonner Beethoven-Haus begeistert. Trotz Kälte und anspruchsvollem Programm hat sie das Publikum überzeugt.

 Viktoria Mullova.

Viktoria Mullova.

Foto: dpa

Als die russische Geigerin Viktoria Mullova den Kammermusiksaal des Beethoven-Hauses betrat, ging ein Raunen durch die vollbesetzten Zuhörerreihen. Damit hatte es folgende Bewandtnis: Während viele im Publikum ihre Jacken und Mäntel wegen der eisigen Raumtemperatur gar nicht erst an der Garderobe abgegeben hatten, betrat die Geigerin mit einem eher für sommerliche Temperaturen geeigneten, ärmellosen Trägerkleid die Bühne.

Damit sie wenigstens zwischen den Stücken ihre Hände ein wenig aufwärmen konnte, hatte man einen Heizlüfter aufgestellt. Keine idealen Bedingungen also für ein anspruchsvolles Programm, wie Mullova es in diesem städtischen Kammerkonzert präsentierte: Sie spielte drei Solowerke für Violine von Johann Sebastian Bach und trotz der Kälte sogar noch eine Zugabe.

Die Schwierigkeit bei den Solo-Sonaten und -Partiten liegt zu einem wesentlichen Teil in deren polyphoner Schreibweise. In der Sonate in g-Moll, die sie zu Beginn des Abends spielte, steht eine Fuge an zweiter Stelle, deren quasi kanonische Themeneinsätze und Stimmführung auf der Geige extrem schwer darzustellen sind.

Bei Mullova, die vor einigen Jahren bereits eine großartige Einspielung dieser Werke vorlegte, klingt die Musik ganz unangestrengt, beginnt sehr natürlich zu fließen. Sie phrasiert Stimme und Gegenstimme mit einer Souveränität, als würden zwei Interpreten sich die Aufgabe teilen.

Das hat freilich nichts mit Show zu tun. Sie sagt mit ihrem virtuosen Spiel nicht, seht, was ich ich kann, sie sagt: Hört, was Bach kann. Im Preludio der Partita in E-Dur, durch das ihre Kollegin Lara St. John in einem selbst Heifetz in den Schatten stellenden Tempo rast, findet sie genau den richtigen Puls, um Rhythmus, Dynamik und Phrasierung so zusammenfinden zu lassen, dass sich Inhalt und Wirkung dieser Musik aufs Schönste offenbaren können. Ihre außerordentliche Musikalität macht auch die Interpretation der Partita in d-Moll zu einem Ereignis.

Sowohl die Innerlichkeit und Schwermut der Sarabande bringt sie ausdrucksvoll zum Erklingen als auch den architektonischen Bogen der fast viertelstündigen Chaconne. Sie erschließt dem Hörer durch ihr Spiel Klangräume von überwältigender Schönheit. Dazu muss sie nicht zu romantisierenden Übertreibungen greifen. Der Schluss kam ganz ohne Ritardando-Effekt aus: eine Punktlandung. Das Publikum zeigte sich begeistert.