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Philharmonie: Gesprächskonzert mit John Eliot Gardiner

Philharmonie : Gesprächskonzert mit John Eliot Gardiner

Die beliebten Lunch-Konzerte in der Philharmonie schaffen eigentlich nur selten eine wirklich echte, spannende Probenatmosphäre. Insofern konnte man das Gesprächskonzert mit John Eliot Gardiner am Gründonnerstag nur willkommen heißen, zumal sich rasch zeigte, dass der vielseitige britische Dirigent ein ausgesprochen humorvoller Musikvermittler ist.

"Sehen Sie nicht so grimmig aus", rief der Leiter des Monteverdi Choir und der English Baroque Soloists immer wieder ins Publikum. Dieses war ja von Vorneherein aufgefordert, den Schlusschoral der Kantate "Christ lag in Todes Banden" (BWV 4) von den verteilten Notenblättern mitzusingen. Die Worte "Wir essen und wir leben wohl im rechten Osterfladen" klingen in der Tat ziemlich irdisch.

Die ausgesprochen lockere Stimmung drückte sich bereits darin aus, dass alle Mitwirkenden, Sir John eingeschlossen, in salopper Alltagskleidung das Philharmonie-Podium betraten. Nur Intendant Louwrens Langevoort war (von Amts wegen) mit Schlips und Kragen geblieben. Aber er würde mitsingen, versicherte er bei seiner einleitenden Moderation.

Bach hat im Grunde sein ganzes Leben hindurch Kantaten komponiert. "Christ lag in Todes Banden" ist ein frühes Werk. Von einer durchlaufenden Interpretation konnte am Donnerstag natürlich nicht die Rede sein. Aber die Zuhörer profitierten viel von den Darlegungen des Dirigenten.

Mit seinem wunderbaren Chor verständigte sich der hervorragend Deutsch sprechende Gardiner natürlich auf Englisch. Man bekam jedoch unschwer mit, mit welcher Akribie er auf Wortprägnanz und Stimmigkeit des Ausdrucks drängte. Und da gab es bei seinen nun wirklich routinierten Sänger halt doch das eine oder andere Detail zu verbessern. Die Orchestermitglieder blieben weitgehend "ungeschoren.