19. Rolandseck-Festival in Bad Honnef und Bonn Diese Musik-Highlights erwartet das Publikum im Juni

Bad Honnef/Bonn · Der berühmte Geiger Gidon Kremer und die Komponistin und Pianistin Lera Auerbach sind Residenzkünstler des Festivals, das in diesem Jahr ganz im Zeichen des Friedens steht.

 Der Geiger Gidon Kremer bei einem früheren Auftritt im Bad Honnefer Kursaal. Am 27. Juni steht er dort im Mittelpunkt eines Galakonzertes.

Der Geiger Gidon Kremer bei einem früheren Auftritt im Bad Honnefer Kursaal. Am 27. Juni steht er dort im Mittelpunkt eines Galakonzertes.

Foto: Frank Homann

Der Anfang des 19. Rolandseck-Festivals für Kammermusik ist programmatisch: Da wird dessen künstlerische Leiterin Mihaela Martin auf ihrer Geige das Solo „Prayer“ der Komponistin und Pianistin Lera Auerbach intonieren, die im Anschluss selbst die Bühne betreten wird, um ihr eigenes Gedicht „Stabat mater“ vorzutragen. „Ich finde, das ist ein starker Anfang“, sagte Martin bei der Vorstellung des Festivalprogramms am Mittwoch im Kursaal Bad Honnef, wo sie wegen einer Erkrankung zwar nicht persönlich zugegen, aber per Video live zugeschaltet war. Nach dem düster-tragischen Beginn, so versprach sie, gehe es im weiteren Verlauf des Eröffnungskonzertes am 25. Juni mit „sehr viel Optimismus und Licht“ weiter. Zum Beispiel mit George Enescus erstem Klavierquartett und dem traumschönen Klarinettenquintett in h-Moll von Johannes Brahms.

Eine Komponistin und Dichterin aus New York

Programmatisch ist dieser ungewöhnliche Anfang, weil Martin die kommende Ausgabe des Festivals, das gemeinsam von der Johannes-Wasmuth-Gesellschaft und dem Bad Honnefer Kulturring ehrenamtlich ausgerichtet wird, „aus aktuellem Anlass“ dem Frieden widmet und es „Pro pace“ überschreibt. Mit der in New York lebenden Lera Auerbach kommt dazu eine außergewöhnliche Frau als Residenzkünstlerin nach Bad Honnef, deren Schaffen und Biografie auf vielfältige Weise mit den Inhalten des Festivals korrespondiert. Auerbach wurde vor etwas mehr als 50 Jahren im Tscheljabinsk im Ural geboren und kehrte nach einer Konzertreise, die sie mit 17 Jahren in die USA führte, nicht mehr in ihre Heimat zurück. Ihre Musik, und auch die Bücher, Bilder und Skulpturen des Multitalents sind oft kritische Reflexionen auf das Weltgeschehen. Über das originale mittelalterliche „Stabat mater“-Gedicht, das sie auch schon einer Komposition zugrunde legte, sagte sie einmal: „Das Bild der trauernden Mutter ist universell, ebenso wie der Schmerz universell ist.“

Neben Lera Auerbach, die beim Abschlusskonzert des Festivals auch als Pianistin in Werken von Sergej Rachmaninow zu erleben sein wird, ehrt das Festival mit dem lettischen Geiger Gidon Kremer einen weiteren Künstler, dessen Arbeit untrennbar mit dem Bemühen um Versöhnung und Frieden verbunden ist. Kremer wurde dafür zuletzt in Bonn mit dem Beethovenpreis für Menschenrechte ausgezeichnet. Ihm gewährt die künstlerische Leiterin des Festivals für ein ganzes Galakonzert im Kursaal eine „Carte blanche“. Die nutzt er, um mit einigen Musikern seiner Kremerata baltika ein spannendes Programm mit überwiegend zeitgenössischer Musik aus dem baltisch-russisch-ukrainischen Raum zusammenzustellen. Unter anderem erklingen Werke von Erkki-Sven Tüür und Valentin Silvestrov.

24 Kammermusikwerke an vier Abenden

In den insgesamt 24 Kammermusikwerken, die in den vier Festivalkonzerten im Bad Honnefer Kursaal (und im Kammermusiksaal des Beethoven-Hauses in Bonn als zweiter Spielstätte) erklingen, treten zahlreiche weitere prominente Musikerinnen und Musiker auf. Darunter die Pianistin Elena Bashkirova, das Michelangelo String Quartet, die Sopranistin Dorothea Röschmann, der Cellist Justus Grimm sowie Nachwuchskünstler der renommierten Kronberg Academy, wo Martin selbst seit 2013 unterrichtet. Letztere bereiten für das Abschlusskonzert am 28. Juni Arnold Schönbergs späte „Ode an Napoleon“ vor, die in Wahrheit eine Abrechnung mit Krieg und Nationalsozialismus ist. Dem Werk gegenübergestellt wird eine Aufführung der ursprünglich Napoleon Bonaparte gewidmeten Beethoven-Sinfonie Nr. 3 „Eroica“, die in einer Klavierquartett-Bearbeitung des aus Bonn stammenden Beethoven-Schülers und -Vertrauten Ferdinand Ries zu hören sein wird.

Für Bad Honnefs Bürgermeister Otto Neuhoff ist das Festival ein wesentlicher Baustein für das Bemühen, den Jugendstil-Kursaal als kulturelles Zentrum für die Region auszubauen. „Der Saal bereichert die kulturelle Landschaft hier in immer stärkerer Weise.“

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