Biolek im Contra-Kreis-Theater Glanz und Gloria an der Museumsmeile

BONN · Alfred Biolek spricht in seiner Talkrunde im Contra-Kreis-Theater mit Vertretern der Bonner Kulturhäuser.

Für den Talk-Dinosaurier Alfred Biolek war die Runde im Contra- Kreis-Theater eine Premiere: "70 Jahre lang habe ich Menschen in den Mittelpunkt gestellt, diesmal sind es erstmals Häuser." In seiner neuen Folge von BIOgramm standen drei Institutionen von der Museumsmeile auf dem Programm. Persönliche Gespräche mit seinen fünf Gästen mussten hintenanstehen, Fakten wurden abgefragt.

Zum Beispiel nach der Historie der Bonner Museumsmeile. Hans Walter Hütter, Präsident der Stiftung Haus der Geschichte, ging dazu in die 1970er, 1980er Jahre zurück, als für das Provisorium Bundeshauptstadt repräsentative Projekte ins Auge gefasst wurden. Bundeskanzler Helmut Kohl war die treibende Kraft für die Bundesinstitutionen Haus der Geschichte und Bundeskunsthalle, die eine eine Stiftung, die andere eine GmbH, beide "Kinder" von Bund und Ländern. 1992 wurden die Bundeskunsthalle, "das Centre Pompidou von Bonn" (Biolek), von Gustav Peichl und das städtische Kunstmuseum von Axel Schultes eröffnet.

Zwei Jahre später folgte das Haus der Geschichte von Ingeborg und Hartmut Rüdiger. Agnieszka Lulinska, Projektleiterin in der Bundeskunsthalle, erinnerte an die ersten Jahre der Bundeskunsthalle und an die Mega-Schau "Europa, Europa. Das Jahrhundert der Avantgarde in Mittel- und Osteuropa" (1994).

Bernhard Spies, kaufmännischer Geschäftsführer der Bundeskunsthalle, antwortete auf Bios Frage nach der Krise 2007. "Das war einer der größten Subventionsskandale in der Bundesrepublik", sagte Spies, "wir haben das alles gut aufgearbeitet." Bis auf die "steuerliche Aufarbeitung". Die werde Ende 2012 abgeschlossen sein - "dann klappen wir die Bücher zu". Die Besucherzahlen haben sich erholt: 700 000 kamen 2011. Doch Zahlen seien nicht alles, meinten unisono Spies und Hütter, der 2011 rund eine Million Besucher ins Haus der Geschichte lockte.

Der Juniorpartner in der Runde, vertreten durch Kunstmuseums-Vize Christoph Schreier, kann von solchen Zahlen - und der Finanzausstattung - nur träumen. Immerhin: Man hat das schönste Haus an der Museumsmeile, ein funktionierendes Konzept mit Künstlerräumen und deutscher Kunst nach 1945 und eine hochkarätige Sammlung, die durch kluge Erwerbungspolitik entstand.

Ganz verliebt in die spektakuläre Treppe des Kunstmuseums ist der PR-Fachmann und Mäzen Helmut Andreas Hartwig, der 1976 im Alter von 21 Jahren, wie er verriet, nach Bonn kam und sich sofort für die Stadt begeisterte. Er übernahm in Bioleks Runde den Part des bürgerlichen Engagements, stellte seinen "Kunstpreis Start" sowie die Aktion "Gestalte deine Stadt" vor. Immer mehr Menschen dazuzubringen, sich für Kultur zu engagieren, das ist Hartwigs Ziel.

Die Talk-Ikone Biolek steuerte nach anfänglichen Mikrofonproblemen zügig durch den Abend und hielt die Spannung im überschaubaren Publikum. Das sah ihm mit freundlichem Applaus nach, dass der kulturpolitische Diskurs nun wirklich nicht sein Feld ist.

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