Glück kann man erzwingen

Film ab im Beueler Lampenlager: Tobias Materna bringt "Fessle mich!" von Pedro Almodóvar als Uraufführung auf die Bühne

Beuel. Ricky hält sich für einen liebenswerten Kerl. Doch der Traum von der großen Liebe ist bisher Traum geblieben. Er greift deshalb zu ungewöhnlichen Mitteln, um seine Angebetete zur gewinnen: Er fesselt sie in ihrer Wohnung. "Ich will Dir ein guter Ehemann sein und ein Vater für Deine Kinder", so sein naiver Wunsch, Glück ganz einfach zu erzwingen.

Der spanische Regisseur Pedro Almodóvar zeigt den ungewöhnlichen Beginn einer Liebesgeschichte in seinem Film "Atame!". Volker Maria Engel hat jetzt den Stoff für die Bühne adaptiert. Mit der Uraufführung "Fessle mich!" im Beueler Lampenlager gab Tobias Materna sein Regiedebüt am Schauspiel Bonn.

Die Verschiebung von der Leinwand auf die Bühne ist geglückt. "Fessle mich!" bleibt einerseits Film mit viel Musik und kurzen Schnitten zwischen den Szenen. Die Perspektive ist ganz Theater, begrenzt auf drei Personen in einer Zimmerkulisse.

Ricky, gerade aus der psychiatrischen Klinik entlassen, hat sich auf die Suche nach Marina gemacht, einer früheren Pornodarstellerin, mit der er einmal gegen Bezahlung geschlafen hat. Er findet sie bei den Dreharbeiten zu einem Horrorfilm, folgt ihr und verschafft sich Zugang zu ihrer Wohnung. Als sie sich seinen Annäherungsversuchen widersetzt, schlägt er sie nieder und fesselt sie an ihr Bett.

Jochen Langner hat optisch mit dem "Original" Antonio Banderas nicht viel gemeinsam. Er spielt den Ricky überzeugend als Verlierertyp, bei dem selbst die Fesselungen dilettantisch wirken. Ulrike Gubisch keift und flucht sehr amüsant als Marina. Sie ist kein Opfer, sondern wirkt neben dem tollpatschigen Ricky immer ein wenig überlegen.

Die beklemmenden, gewalttätigen Momente sind selten in dieser Inszenierung. Statt dessen gibt`s Ständchen mit der Mundharmonika und Frühstück ans Bett. Marina dreht den Spieß endgültig um, als Ricky beim Versuch, ihr Schmerztabletten zu besorgen, verprügelt und ausgeraubt wird. Sie verarztet ihn, und so kommt sich das ungleiche Paar näher.

Marinas Schwester Lola, eigentlich als Retterin herbeigeeilt, wird zum Störenfried. Maximilian Hilbrand spielt die Lola herrlich tantenhaft und sorgt für Situationskomik. Doch die aufgescheuchte Rächerin mit Pistole kann das rosa-himmelblaue Happy-End nicht verhindern.

Die Geschichte ist gut, nicht nur fürs Kino. Ricky legt Marina sein Leben zu Füßen. Es ist die Sehnsucht nach kleinbürgerlicher Normalität, nach Familie, Auto, Haus und Kreditkarte, die paradoxe Blüten treibt.

Mit "Fessle mich!" sorgt Tobias Materna für einen unterhaltsamen Theaterabend, der die Grenze zum Kino gelegentlich unscharf werden lässt und mit den Genres spielt. Zum Beispiel, wenn Schauspielerin Ulrike Gubisch im Theater die schlechte Schauspielerin Marina bei Dreharbeiten spielt. Schließlich flimmert sogar ein Abspann über die Bühnenwand. Fehlt nur das Popkorn.

Weitere Aufführungen: 12., 16. und 27. März. Karten unter anderem in allen Geschäftsstellen des General-Anzeigers.