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Gounods "Faust" in der Oper Köln vor Publikum: Fulminanter Start

Vor Publikum gespielt : So war Gounods „Faust“ in der Oper Köln

Die Kölner Oper darf wieder vor Publikum spielen. Mit Gounods „Faust“ im Staatenhaus gelingt ein fulminanter Start.

Die erste spontane Regung der Kölner Oper erstmals wieder vor Publikum begann mit einem Paukenschlag plus Tamtam-Zischen: Gounods „Faust“ lässt Instrumente und Stimmen brausen und toben. Die Flut der Bilder und das Bühnenbild selbst saugen die Blicke der Zuschauer in sich auf, Blenden fokussieren wie Lupen oder öffnen ein Breitwandspektakel – ein Parcours zwischen Himmel und Hölle, zwischen Sein und Vergehen.

Regisseur Johannes Erath wählte im Fachverbund mit GMD François-Xavier Roth besondere Mittel für eine besondere Fassung. Die Neusichtung folgt einer rekonstruierten Originalfassung mit gesprochenen Dialogen, die just in einer Neuausgabe der Faust-Oper vorliegt. Die jetzt gesprochenen Einschübe, sehr dezent bemessen, wirkten wie ein erzwungener Moment des Verweilens, ein Rückfall von Opulenz zur Demut. Originell veredelt werden die Dialoge durch den Kunstgriff, parallel zur Aufteilung von jungem und alten Faust auf zwei Sänger die Sprechstimme des Mephisto auf den Dirigenten Roth zu übertragen. Der meistert dies sensationell spielfreudig, hält nicht nur die Fäden der Musik in der Hand, sondern auch die verbale Spielführung vom Pult aus.

Lustbetont knallrotes Inferno

Der Bühnenbau von Herbert Murauer (Bühne und Kostüme) ermöglicht die mehrbödige Aufschlüsselung des werkimmanent Fantastischen, changierend zwischen technisch aufwendige Finessen und ganz einfachen optischen Effekten.  Historische Zeitlosigkeit beherrscht die Szenerie. Dunkle Farben mit Motiven wie Totenkopfschwärmer markieren die Kostüme der Bösen, weiß und hell kleiden sich die Unschuldigen. Nur die Hölle selbst birgt ein lustbetont knallrotes Inferno.

Gesungen wird durchweg beeindruckend, wobei auch die doppelbesetzte Faust-Figur in beeindruckender Verwandlungsszene herrlich aufgeht. Alexander Fedin in seiner letzten Ensemble-Rolle als alter Faust trifft den etwas nasal tönenden französischen Klang, wogegen Young Woo Kim kraftstrotzenden Belcanto pflegt, stimmlich ein Überflieger. Seinen Lehrmeister gibt Samuel Youn, eine Fachkraft für Märchengestalten, ein Garant als Spieler und Sänger. Bezaubernd in Szene gesetzt wird Marguerite, für die Anne-Catherine Gillet erstmals aus Belgien nach Köln kam, eine überzeugende junge Sopranistin.

Für das eigentlich unbekannte Erlebnis, ermöglicht durch die Interimsspielstätte Staatenhaus, sorgt die Musik Gounods. Besonders die perfekt eingebundene Orgel sorgt für ergreifende Spiritualität mit mächtigem Zugriff, dazu die tollen Stimmen des über Kamera gesteuerten Chores aus dem Off und das breit gesetzte Orchester. Ein Sonderlob für den kurzfristig anberaumten Live-Betrieb gebührt dem Team. Dass in der Schlussszene das eingeblendete EKG nicht wie geplant eine Nulllinie zeigte, lässt sich nur positiv deuten: Der Patient lebt.

Vorstellungen am 8., 12., 17., 24., 26.06., jeweils um 19.30 Uhr