Konzert in der Kreuzkirche Großer Brahms-Abend - Vom Orchester auf Händen getragen

Bonn · Keine Frage: Mit dem Sinfonie-Orchester der Kreuzkirche ist Bonn ein Klangkörper zugewachsen, der dem Vergleich mit einem exzellenten Profi-Orchester ohne weiteres standhält, und das nicht, weil an einigen Pulten Musikerinnen und Musiker des Beethoven Orchesters sitzen, sondern weil die Spielhaltung insgesamt eine ganz besondere ist.

Hier wird mit sehr persönlichem Engagement, mit Lust und Freude musiziert, und dieser Elan kommt unmittelbar herüber. Einen reinen Brahms-Abend hatte Karin Freist-Wissing mit ihrem Orchester und - als Intermezzo - mit Vox Bona, dem längst auch international renommierten Kammerchor der Kreuzkirche, vorbereitet. Vielleicht, um des 180. Geburtstags des deutschen Romantikers am 7. Mai zu gedenken.

Mit dem von Joseph Joachim, der Streicher-Institution des 19. Jahrhunderts, aus der Taufe gehobenen Violinkonzert wurde der Abend eröffnet. Solist war Peter Stein, häufig als Gast Konzertmeister der Kreuzkirchen-Sinfoniker. Und die trugen ihn regelrecht auf Händen, bereiteten unter sorgsamer Leitung von Freist-Wissing den Einsatz des Soloparts vor und standen ihm klangsensibel als "Gesprächspartner" zur Verfügung.

Eine etwas vollere Kirche hätte man sich schon gewünscht, alleine der Akustik wegen. Freist-Wissing lässt zwar in Deutscher Sitzordnung musizieren, dennoch aber fällt manches sauber ausgearbeitete Detail bedauerlicherweise dem üppigen Raumklang zum Opfer. Die ausladende Kadenz im Kopfsatz kam dafür klanglich ungeschmälert herüber. Für den überschwänglichen Applaus bedankte sich Stein mit dem höllisch schwer arrangierten Beatles-Titel "Yesterday".

Nach dem A-Cappella-Intermezzo in makellos schwebendem, dynamisch weitem Chorklang ging es mit der D-Dur-Sinfonie ans Absolute. Hier bewies das Orchester Extraklasse. In glänzender Gesamtsdisposition mit sensibel gestalteten Übergängen gelang einmal mehr eine nahezu exemplarische Interpretation.

"Der dritte Satz hat sein da capo schon in der Tasche", hatte es zur Uraufführung geheißen, was Freist-Wissing zum Anlass nahm, das Allegretto grazioso als Zugabe zu spendieren - eine Spur noch geschliffener und schneller. Bravo!

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