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Haus der Geschichte konfrontiert "Operation Walküre" mit der Historie

Haus der Geschichte konfrontiert "Operation Walküre" mit der Historie

Zum 65. Jahrestag des Stauffenberg-Attentats wird der Film genauer unter die Lupe genommen

Bonn. Waren seine letzten Worte wirklich "Es lebe das heilige Deutschland!", als er im Hof des Bendlerblocks in Berlin vor dem Erschießungspeloton stand?

Oder hat Claus Schenk Graf von Stauffenberg in der Nacht des 20. Juli 1944 "Es lebe das geheime Deutschland!" ausgerufen, eine Formulierung, die ihm als Mitglied im Kreis um den umstrittenen Dichter Stefan George kennzeichnet?

Bryan Singers Film "Valkyrie" ("Operation Walküre - Das Stauffenberg Attentat") hat sich in Anlehnung an den bei diesem Thema wohl best informierten Historiker, Peter Hoffmann, für das "heilige Deutschland" entschieden.

Und der Historiker Michael Kießener, gebürtiger Bonner, ehemaliger Geschäftsführer der "Forschungsstelle Widerstand" in Karlsruhe und heute Professor für Zeitgeschichte in Mainz, stützt diese These. Er weist aber auch auf die prekäre Quellenlage hin, die sich mitunter auf widersprüchliche Zeitzeugenaussagen beziehen muss.

Fotos Hier gibts Bilder vom Film "Walküre"Kießener begleitete einen denkwürdigen Abend im Haus der Geschichte, das am 65. Jahrestag des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler den nicht unproblematischen Film mit der historischen Faktenlage konfrontierte. "Der 20. Juli hat keine rechte Heimat in der deutschen Gedenkkultur gefunden, in Italien oder Frankreich wäre das anders gelaufen", meint der Historiker.

Der Weg, den das Haus der Geschichte in Zusammenarbeit mit der Bonner Kinemathek jetzt gegangen ist, dürfte geeignet sein, das Wissen um diesen bedeutenden Augenblick der Geschichte zu schärfen (mehr als das Ablegen von Kränzen).

Für Kießener, der in "Walküre" durchaus Fehler sieht, wenn auch nicht so gravierende wie in Vorgängerfilmen von Harnack oder Pabst (beide 1955), lenkt Bryan Singers Film die Aufmerksamkeit direkt auf den historischen Augenblick des Attentats. Das sei ein guter Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung mit dem Thema.

Schon unmittelbar nach dem Attentat habe die Geschichtsklitterung eingesetzt, sagt Kießener: In einer Rundfunkansprache erwähnte Hitler lediglich einen kleinen Zirkel ehrloser Soldaten. Nach dem Krieg habe ein "selbstquälerisches Ringen um das Hitler-Attentat und den Mythos" eingesetzt.

Die Männer um Stauffenberg wurden von rechten Kreisen als "Vaterlandsverräter" abgeurteilt, es gab aber auch einen "starren Heroenkult, der andere Widerstandsphänomene überdeckte", sagte Kießener, der die Rezeption in knappen Zügen skizzierte.

Wie schwierig das Terrain ist, habe auch die Diskussion im Vorfeld der Dreharbeiten gezeigt. Kann Hollywood, kann der Scientologe Tom Cruise in der Rolle des Stauffenberg dieses Thema meistern?

Über 300 Menschen im gefüllten Auditorium konnten sich nach Kießeners Einführung ein Bild machen. Singers Film, der mit der Verletzung Stauffenbergs an der Afrika-Front beginnt und mit den Erschießungen im Bendlerblock endet, stimme in den meisten historischen Details, sei unglaublich gründlich recherchiert, lautet Kießeners Fazit.

Und doch gibt es Kritik an der Deutung Hollywoods: Ein trotteliger Hitler etwa inmitten seiner dösigen Paladine auf dem Berghof bei Berchtesgaden - sie erscheinen kaum als die menschenverachtende braune Pest, die es auszulöschen gilt.

"Die Fokussierung auf die Figur Stauffenberg ist sicherlich ein Fehler des Films", meint der Historiker: "Stauffenberg war tatsächlich die treibende Kraft, doch ohne das Zusammenspiel mit dem übrigen Widerstand hätte nichts funktioniert." Die Figur Stauffenberg spiele den zivilen Widerstand an die Wand, kritisiert Kießener.

Während Cruise den starren Helden "stur wie ein Rambo" gebe (der der humorvolle, liebenswürdige Stauffenberg nie war), gerinnen die Mitverschwörer zu blassen Statisten: Ludwig Beck, Carl Friedrich von Goerdeler, Julius Leber oder Henning von Tresckow, allesamt entscheidende Figuren, geben in "Walküre" nur die Folie für den Überhelden Cruise ab, "der den Stauffenberg nicht viel anders spielt als seine anderen Heldenfiguren auch".

"Ich frage mich, ob Tom Cruise so ein guter Schauspieler ist", fragt sich Kießener, "ganz privat".

Filmproduzent MGM hat den Jahrestag übrigens ganz profan begangen und "Walküre" am 20. Juli als DVD herausgebracht .