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Kulturtipp in Corona-Zeiten: Haus der Geschichte setzt Podcast fort

Kulturtipp in Corona-Zeiten : Haus der Geschichte setzt Podcast fort

Das Haus der Geschichte setzt seinen erfolgreichen Podcast zu Objekten der Sammlung fort. In der neuen Folge geht es um die Geschichte eines Telegramms von 1989.

Es ist eigentlich nur ein kurzes Telegramm, um das es hier geht. Der Adressat ist Jochen Hilgenberg in Naumburg. Der Inhalt banal, wenn man die Hintergründe nicht kennt: „Herzlichen Glückwunsch Ulrich Berndt  und Christoph“. Die Botschaft dieses verschlüsselten, Ende August 1989 aufgegebenen Telegramms war eminent wichtig. Das Signal an die Eltern, dass die  drei Hilgenberg-Töchter Ulrike, Bärbel und Christiane, 17 bis 24 Jahre alt, nach ihrer Flucht aus der DDR sicher im Westen angekommen sind. Das Telegramm gehört der Stiftung Haus der Geschichte und befindet sich im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig. Kornelia Lobmeier, die dort arbeitet, erzählt die Geschichte hinter dem Telegramm im Gespräch mit Meike Rosenplänter im aktuellen Podcast des Hauses der Geschichte.

Adenauers Dienst-Mercedes

Beim ersten Lockdown vor zwölf Monaten startete das Haus der Geschichte das ehrgeizige Projekt, zentrale Exponate der Sammlung „sprechen“ zu lassen. Konrad Adenauers Dienst-Mercedes 300 war ebenso Thema, wie die Gebetskette des ersten NSU-Opfers (2000), Enver Simsek, oder ein deformierter Stahlträger aus dem World Trade Center, in dem am 11. September 2001 bei einem Terroranschlag 3000 Menschen starben. Die Podcast-Serie ist sehr beliebt: Über 43.000 Mal wurde sie angehört, rechnet das Haus der Geschichte vor. Mit dem Start des erneuten Lockdowns – die Häuser der Stiftung Haus der Geschichte sind seit Anfang dieser Woche wieder geschlossen – startet eine neue Serie mit Podcasts von Objekten im Bonner Haus der Geschichte, im Leipziger Zeitgeschichtlichen Forum und in den Berliner Standorten, Tränenpalast  und Kulturbrauerei. Die neue Staffel ist auf zwölf Folgen angelegt. Jeden Dienstag kann man eine neue abrufen.

Es geht um Menschen, die mutig für ihre Freiheit kämpfen – beispielsweise beim Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953 – oder die kein Abenteuer scheuen, um mit selbst erstellter Wanderausrüstung ihren Reisetraum im Kaukasus zu verwirklichen.

Die erste Folge widmet sich wie erwähnt den drei Schwestern aus Naumburg, denen der Alltag in der DDR unerträglich geworden war. Mit Zelt und Rucksack reisten sie zum „Paneuropäischen Picknick“ an die Grenze zwischen Österreich und Ungarn, die im August 1989 immer durchlässiger wurde. Gefährlich war sie dennoch. Lobmeier berichtet von einem tödlichen Zwischenfall. Die drei jungen Frauen schafften es mit Hilfe aus dem Westen in die Bundesrepublik. Und setzten dort ihr Telegramm ab.