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Bonner Fotografin Renate Brandt: "Ich habe eine Menge Fragen"

Bonner Fotografin Renate Brandt : "Ich habe eine Menge Fragen"

Künstler sind kapriziöse Wesen, mitunter schüchtern, auch mal eitel, oft skrupulös, wenn es um Innenansichten ihrer Persönlichkeit geht. Renate Brandt, selbst Künstlerin, Fotografin, hat alle Facetten bei ihren Recherchen kennengelernt, sie weiß, wie Künstler ticken, kann sich einfühlen. Das demonstriert sie eindrucksvoll in einer Serie von Porträts von Künstlern im Kunstmuseum Bonn.

Die Institution folgt nun dem dringenden Wunsch vieler Kunstfreunde und öffnet einen Raum der Dauerausstellung im jährlichen Wechsel einem Bonner Künstler. Den Anfang machte der Bildhauer Christoph Loos, nun ist die Fotografin Renate Brandt am Zug. Für Stefan Gronert, am Kunstmuseum zuständig für Grafik und Fotografie, bietet Renate Brandts Fotoprojekt aber auch die ideale Einstimmung auf die ambitionierte Ausstellung "Mit anderen Augen. Das Porträt in der zeitgenössischen Fotografie" ab Ende Februar 2016 im Kunstmuseum.

Renate Brandt arbeitet bereits seit 2009 an ihrem Künstlerprojekt, die aktuelle Ausstellung "Zwischenschnitt" ist also so etwas wie ein Zwischenbericht, denn die Reihe läuft weiter. 20 Künstler hat sie kontaktiert, mit ihrem Porträtwunsch konfrontiert. Renate Brandt, die bereits eine herausragende Serie von 40 Literatenporträts veröffentlicht hat, ist für ihre präzise Arbeit, ihr klares Konzept bekannt. Sie ist streng genommen keine klassische Porträtistin, vielmehr geht sie mit einem breiten Wissen über das Werk des betreffenden Künstlers und einer hohen Affinität in die Sitzung, um das Bild, die Bildsituation dann gemeinsam mit dem Künstler zu entwickeln. "Wo kann man ein Bild machen auf der Basis des Bildes im Kopf, das ich mitbringe?" Das ist die Frage, die sie mit dem Künstler diskutiert. Und das führt zu erstaunlichen Ergebnissen.

Da kann passieren, dass sich der damals etwa 95-jährige Maler Karl Otto Götz nackt auf einem Freischwinger sitzend vor einem Bild fotografieren lässt. Oder dass die für ihre farbprächtigen Sprühbilder bekannte Katharina Grosse uns nur die Rückseite eines Bildes zeigt und den Betrachter eher verschreckt über die Schulter anblickt. Den Künstler Bogomir Ecker, den Renate Brandt vor einer rohen Ziegelwand ablichtet, "erwischt" sie gleichsam auf der Flucht aus dem Bild. Das ist natürlich eine Fehlinterpretation: Denn Renate Brandt macht keine Schnappschüsse. Alles ist bei der analog im Sechs-mal-sechs-Zentimeter-Negativformat und längerer Belichtungszeit ohne zusätzliche Lichtquellen arbeitenden Fotokünstlerin kontrolliert. Der Bildausschnitt wird schon bei der Aufnahme bestimmt, Renate Brandt setzt auf höchste Konzentration, auf Ökonomie.

"Ich weiß, es ist nicht einfach, sich fotografieren zu lassen", sagt Brandt, sie bricht das Eis im Gespräch: "Ich habe eine Menge Fragen." Was sie nicht will, ist das klassische Atelierfoto mit Künstler, alles Anekdotische soll möglichst ausgeblendet bleiben. So verwundert es nicht, den Büchernarr Timm Ulrichs in einem leeren Raum zu sehen mit einem undefinierbaren Etwas, das er in der Hand hält und fixiert. Es ist ein seltenes Kartenspiel aus seiner Sammlung, erzählt sie. Es gibt viele solcher Geschichten.

Ihre Serie, die etwa Marcel Odenbach in einer geradezu filmischen Triptychon-Folge zeigt, Ulrike Rosenbach in gemütlicher Denkerpose, Gina Lee Felber und Jan Wawrzyniak in der Art klassischer Renaissanceporträts und Heinz Mack als Titan ist unbedingt sehenswert.