Der Gitarrist Robben Ford im Interview "Ich will erstklassige Songs schreiben"

Robben Ford ist ein Ausnahmegitarrist. Mit seinem brillanten Gitarrensound zieht er seit Jahrzehnten seine zahlreichen Bewunderer immer wieder in Bann. Gerade ist sein neues Album "Into The Sun" erschienen (Mascot Label Group/Rough Trade), und am 10. Mai gastiert der Amerikaner in der Kölner Kantine (Neusser Landstraße 2).

 "Ich liebe den Sound einer guten Gitarre": Musiker Robben Ford.

"Ich liebe den Sound einer guten Gitarre": Musiker Robben Ford.

Foto: Piper Ferguson

In der Domstadt traf ihn Cem Akalin.

Robben, "Into The Sun" das klingt nach Roadmovie. Auch das Cover deines neuen Albums sieht wie ein Filmplakat aus. Der Held, der am Ende des Films der Sonne entgegenläuft... War das deine Intention? Eine Art Soundtrack?
Robben Ford: (lacht) Nein, es hat sich so ergeben. Die Frage ist die, was zunächst da war: das Huhn oder das Ei? Der Titel des Albums kam zum Beispiel erst aufgrund des Fotos zustande. Wir haben damals eine ganze Reihe Fotos vor der untergehenden Sonne gemacht, und als ich die Bilder sah, dachte ich: Das ist der perfekte Titel für ein Album.

"Bringing It Back Home" (2013) klang ein wenig retro, funky und mit gewissen Jazz-Einflüssen. "Nashville" (2014) war klares Bekenntnis zum Blues. Welche Überschrift steht denn über "Into The Sun"?
Ford: "Bringing It Back Home" war einzigartig für mich. Auf diesem Album wollte ich die Gitarre auf eine ganz bestimmte Art und Weise spielen. Wahrscheinlich ist es das Album, mit dem ich wirklich kein bestimmtes Konzept im Sinn hatte. Ich wollte einfach nur ganz entspannt Gitarre spielen. Ich wollte Musik mit guten Mitspielern machen, eine Musik, die sich einfach gut anfühlt. "Nashville" dagegen ist ziemlich rasch entstanden. Wir waren eigentlich auf Tour und haben das Album an einem einzigen Tag im Studio eingespielt - live. Die Stücke habe ich in drei Wochen geschrieben, was eine wirklich kurze Zeit ist.

Das Stück "Day Of The Planets" auf dem neuen Album klingt insgesamt sehr positiv, knackig, geht sozusagen direkt ins Ohr. Es hat ein wenig die Stimmung aus "Tiger Walk". War das vielleicht die Intention?
Ford: Eigentlich will ich immer positiv klingen. Das sollte jedenfalls doch das Anliegen von Musik überhaupt sein: eine positive Message rüberzubringen. Aber es stimmt schon: Bei diesem Album kamen tatsächlich eine ganze Reihe von wunderbaren Dingen zusammen. In meinem Leben passieren gerade viele sehr schöne Dinge. Und dieses Album ist eines davon.

Bist du verliebt?
Ford: Nein, es geht nicht um so etwas... Der Opener steht sicherlich für diese positiven Dinge in meinem Leben. Weißt du, das Songwriting ist im Moment meine Hauptbeschäftigung, ja, es ist das Wichtigste für mich, und es geht mir darum, wirklich erstklassige Songs zu schreiben. Dafür steht das Album.

"Howling At The Moon" - die Gitarre klingt geradeaus, ein ehrlicher Sound, ohne viel Aufhebens darum zu machen, als hättest du sie einfach nur in den Verstärker eingestöpselt und losgelegt, klingt spontan und locker.
Ford: Die Beschreibung ist korrekt. Die Gitarre spiele ich tatsächlich einfach nur über einen alten Fender Tweed Verstärker. Übrigens auch auf "Cause Of War". Aber im Grunde ist das so, wie ich mein ganzes Leben lang schon die Gitarren aufgenommen habe. Ich benutze in der Regel nicht viele Effekte. Ich liebe einfach den Sound einer guten Gitarre und eines guten Verstärkers.

Wie viele Gitarren braucht jemand wie du, um den Sound zu bekommen, der ihm vorschwebt?
Ford: Auf diesem Album spiele ich vor allem eine Fender Telecaster von 1950, die ich schon lange habe. Außerdem zwei Gibson SG aus den Jahren 1963 und 64. Ich brauche nicht wirklich viele Gitarren. Eine Menge von dem, was du hörst, hat viel mit der Stimmung des Songs zu tun und damit, wie du dich ihm annäherst und wie du ihn spielst.

Ich finde, dass "Rainbow Cover" für den Gitarrensound steht, den man von dir kennt: sehr klar, unverzerrt, sauber und ungemein präsent. Dennoch: Man hört dich auf allen Songs heraus. Das ist genau das, wonach viele Gitarristen streben. Wie machst du das?Ford: Es ist nichts, was du einstudierst. Ich rate jedenfalls jungen Gitarristen immer, sich andere Instrumente anzuhören. Ich sage: Hört euch nicht immer andere Gitarristen an. Du kannst nur danach klingen, was du auch hörst. Das ist eigentlich eine ganz natürliche Sache. Wenn du immer nur Stephen Ray Vaughan hörst, klingst du auch irgendwann wie er.

Wen hast du dir angehört?
Ford: Immer nur Tenorsaxofonisten! Ich liebe Jazz.

War das Saxofon nicht auch dein erstes Instrument?
Ford: Das stimmt. Aber Saxofonisten haben meinen Gitarrenstil viel mehr beeinflusst, als irgendein Gitarrist es tat. Ich habe schon vor sehr langer Zeit aufgehört, anderen Gitarristen zuzuhören.

Zur Person

Der Gitarrist Robben Ford kam 1951 in Woodlake in Kalifornien zur Welt. Er gilt als ungewöhnlich vielseitiger Musiker, der dem Blues und Jazz zugeneigt ist. International bekannt wurde er sowohl als Solokünstler als auch durch zahlreiche Projekte mit Chick Corea, Miles Davis und B. B. King.

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