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Schumannfest: Im orgiastischen Rausch

Schumannfest : Im orgiastischen Rausch

Drei Konzerte im Rahmen des Bonner Schumannfestes stehen hier im Fokus.

Schumannfest 1. Immerhin: Im zweiten Teil gab es mit den Sechs Impromptus op. 66, als Zyklus besser bekannt unter "Bilder aus dem Osten", auch Schumann beim Gastspiel des Klavierduos Franziska und Florian Glemser beim 20. Bonner Schumannfest.

Zuvorderst allerdings stand der Abend im Endenicher Ballsaal ganz im Zeichen produktiver Wagner-Rezeption, und zwar nicht durch Schwiegervater Franz Liszt, sondern - hierzulande weit weniger populär - durch die Franzosen Claude Debussy und Paul Dukas sowie durch Max Reger.

Der hatte Wagner-Opern fleißig bearbeitet, unter anderem "Vorspiel und Liebestod" aus "Tristan und Isolde" für zwei Klaviere ausgesetzt. Noch intensiver als hier durch das Ehepaar Glemser wird diese Fassung kaum zu erleben sein.

Fulminant losgestürmt war das Duo an der instrumentalen Allianz von Bechstein und Steinway mit der Ouvertüre zu "Der fliegende Holländer" in der Bearbeitung durch Debussy. Dukas hatte es das Bacchanal aus "Tannhäuser" ganz besonders angetan.

Der klangmalende "Zauberlehrling" transformiert die Vorlage gleichsam in eine erotomanische Doppelrahmstufe, deren Höhepunkte in einem orgiastischen Rausch wellenartig Schlag auf Schlag folgen und schier den Atem rauben können.

Mit Schumann zu vier Händen im Original und Beethoven als thematischer Ideengeber für Camille Saint-Saëns' verspielte Variationen op. 35 wurde hernach dem jeweiligen Genius Loci gehuldigt, in passgenauer Abstimmung. Als Nachschlag Schuberts Militärmarsch zu vier Händen als zackige Zugabe. Fritz Herzog

Schumannfest 2. Den imitierten Ruf des Kojoten aus dem Soundtrack des Westerns "Zwei glorreiche Halunken" hat jeder im Ohr. Diesmal ist der instrumentale Kontext allerdings ein anderer als im Original: reduzierter, filigraner, konzentrierter auf klangfarbliche, rhythmische und dynamische Charakteristika der Musik.

Zur prägnanten Flöte, die das Hauptmotiv spielt, gesellen sich statt großem Orchester und diversen Klangeffekten nur Gitarre, Violine, Viola und Cello.

Außer der Flöte erklangen also nur Saiteninstrumente. Das könnte eindimensional wirken. Doch die Transkription der Filmmusik von Ennio Morricone für die Kammermusikformation Ensemble Duomo funktionierte fantastisch. Zu verdanken war das zunächst den Arrangements von Roberto Porroni, Konzertgitarrist, Komponist und Gründer des Ensembles.

Im perfekten Zusammenspiel mit Pier Filippo Barbano (Flöte), Germana Porcu (Violine), Antonello Leofreddi (Viola) und Marcella Schiavelli (Cello) bot er beim 20. Bonner Schumannfest gelungene kammermusikalische Interpretationen bekannter und weniger bekannter Stücke Morricones.

Da es kaum Partituren dieser Musik gibt, musste Porroni für seine Transkriptionen jede Note von den CDs abnehmen. Der melodische Reichtum und die Instrumentationskunst Morricones inspirierten ihn dabei stets aufs Neue, wie er während des Konzerts erzählte.

Das ließ sich für die Zuhörer im fast ausverkauften Theater im Ballsaal sehr gut nachvollziehen. Bei "Tutto Morricone - Joy" handelte es sich in der Regel um eher kurze Stücke, deren fein ausbalancierter Klangzauber und melodisch-verführerische Leitmotiv-Technik das Publikum sofort in den Bann zog.

Immer wieder gab es spontanen Zwischenapplaus. Für den begeisterten Beifall bedankte sich das Ensemble Doumo mit drei Zugaben. Und zur großen Freude des Publikums erklang er dann Ende noch einmal: der Ruf des Kojoten. Claudia Wallendorf

Schumannfest 3. Musik wird großgeschrieben am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium (EMA), das war schon immer so, wovon man sich auch beim traditionellen Sommerkonzert aller Musikensembles überzeugen konnte. Als besondere Auszeichnung für die Qualität und Bandbreite der musikalischen Arbeit am EMA darf es getrost verstanden werden, dass das Konzert im Rahmen des Schumannfestes positioniert wurde.

Das Junior-Orchester spielte in der Uni-Aula unter der Leitung von Michael Therre und Toni Schüller Händel, Schumann und Schostakowitsch, das von Annette Dupré und Andreas Herkenrath geleitete große Sinfonieorchester unter anderem Williams und drei Sätze aus der Rheinischen Sinfonie von Schumann.

Der Chor der Klassen 6-8 zeigte mit Stücken aus Film und Pop, dass auch diese Sparte in der Zeit nach Peter Henns Wirken am EMA beständige Wertschätzung erfährt, und das Bläser-Quintett gab mit drei Sätzen aus den Five Easy Dances von Denes Agay Kostproben seines Könnens. Guido Krawinkel