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Im Zwischenreich von Leben und Tod

Im Zwischenreich von Leben und Tod

Der Regisseur Franz-Josef Becker hat die Erlebnisse ehemaliger Patienten der Kinderkrebsstation der Bonner Uniklinik gesammelt und daraus das Stück "Zauberbergmanifest - im neunten Bett stirbt man nicht" entwickelt.

Bonn. Eine Krebserkrankung im Kindesalter hinterlässt auch bei einer Heilung unweigerlich Spuren. Angst und Hoffnung bleiben ständige Begleiter, selbst wenn die Therapie erfolgreich überstanden ist.

Die Chancen dafür sind gut: Heute schaffen 80 Prozent der jungen Patienten die Rückkehr ins "normale" Leben. Aber sie haben die Nachtseite kennen gelernt: Das Warten auf die Diagnose, die Strapazen der Behandlung, die Isolation, die Fremdbestimmung und die gesellschaftliche Stigmatisierung.

Der Regisseur Franz-Josef Becker hat seit Anfang 2010 mit 17 ehemaligen Patienten der Kinderkrebsstation der Bonner Universitätsklinik gesprochen. Er hat ihre Geschichten und Erlebnisse gesammelt und mit ihnen gemeinsam das im Titel auf Thomas Manns bekannten Roman anspielende Stück "Zauberbergmanifest - im neunten Bett stirbt man nicht" entwickelt.

Die Inszenierung ist eine interaktive Wanderung durch die Räume der Villa Eschbaum auf dem Gelände der Uni-Kinderklinik in der Bonner Adenauerallee 119. Es ist ein Parcours durch die Stationen der Krankheit vom Wartezimmer durch Bestrahlungs- und Laborräume und den Mikrokosmos eines geschlossenen Systems im Zwischenreich von Leben und Tod.

Der Weg führt durch geheimnisvolle, surreale Bilderwelten, die die Fantasien der betroffenen Jugendlichen reflektieren. Der Ausnahmezustand "Krebs" soll in der multimedialen Performance-Installation aus Video, Musik, Tanz und Theater mit künstlerischen Mitteln sinnlich erfahrbar gemacht werden.

Die Produktion des bereits mit mehreren ungewöhnlichen Projekten aufgefallene "TheaterImHörsaal Bonn" - zuletzt hier sehr erfolgreich mit "Spieltrieb" von Julie Zeh - verlangt dem aktiv beteiligten Publikum und den jugendlichen Mitwirkenden einigen Mut ab. Um den geht es freilich, damit die Furcht vor der Krankheit überwunden werden kann.

Premiere ist am 14. Oktober; weitere Aufführungen täglich um 19.30 Uhr bis zum 21. Oktober. Nur knapp 40 Besucher sind pro Vorstellung zugelassen. Karten gibt es bei allen Vorverkaufsstellen von bonnticket. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.theaterimhoersaal.de.