Neues Forum : In Kontakt bleiben

Musik der Kreuzkirche im Internet. Die Sänger bereiten sich in virtueller Chorprobe vor.

Das wegen der Coronavirus-Pandemie verhängte Kontaktverbot sorgt nicht nur für leere Konzertsäle, Theater und Kirchen, sondern macht es den zahlreichen Laienensembles sehr schwer, weiterzuarbeiten. In der Musik ist es wie im Sport: Ohne Training verliert man die Form. In der Kreuzkirche will man es nicht so weit kommen lassen und trotz Kontaktverbot weiter proben und zugleich auch mit dem Publikum in Kontakt bleiben.

Die mediale Brücke, die von der Kreuzkirche zum Publikum geschlagen wird, besteht aus einem Blog (blog.kreuzkirchenmusik.org) und einem eigenen Youtube-Kanal, wo man sich über die musikalischen Aktivitäten der Kreuzkirche informieren oder sogar daran teilhaben kann.

Der Freundeskreis der Musik in der Kreuzkirche hatte bereits vergangenen Sommer mit dem Projekt „Wir mit Euch“ begonnen, solche Formate zu entwickeln. Dabei kann die Kreuzkirchenmusik auf ein etwa 20-köpfiges Social-Media-Team aus den eigenen Reihen zurückgreifen. Das Team arbeite gemeinsam daran, auch weiterhin die Musik zu den Menschen zu bringen, erläutert die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Stephanie Watin.

Unter anderem stellen sie jeden Samstag ein neues musikalisches „Carepaket“ ins Netz. „Die Menschen können nicht mehr in die Kreuzkirche kommen und Musik erleben, deshalb kommen wir zu ihnen“, sagt Kirchenmusikdirektorin Karin Freist-Wissing. „Wir kommen jeden Samstag und schicken unserem Publikum und den Menschen in Bonn aus der leeren Kirche einen musikalischen Gruß. Wir suchen Musik für sie aus, die uns viel bedeutet, mit der wir tolle Erlebnisse aus der Kreuzkirchenmusik verbinden. Irgendwann ist die Kirche dann nicht mehr leer...“

Gelegentlich präsentieren sie auf dieser Plattform sogar Live-Aufführungen. So hatten sie etwa am Karfreitag einen kleinen Ausschnitt aus Bachs Matthäuspassion ins Netz gestellt, für den sich Sängerinnen und Sänger, Musikerinnen und Musiker unter Freist-Wissings Leitung per Videokonferenz zu einem virtuellen Ensemble zusammengeschaltet hatten. Der Klang ist zwar nicht so perfekt wie in der Kreuzkirche, aber wie sie da den Choral „O Haupt voll Blut und Wunden“ vortrugen, ging unter die Haut.

Ähnlich wird derzeit auch geprobt. Dass die Treffen im Netz kein Ersatz sind, ist natürlich jedem klar. Wichtig ist den Sängerinnen und Sängern, dass man sich sieht, hört und in Kontakt bleibt. Das heißt nicht, dass man bei der virtuellen Chorprobe nicht auch alles gibt und Spaß am Singen hat. „Wir halten uns fest an Worten, an Musik, an Träumen“, sagt Freist-Wissing. Und so hofft sie mit ihren Sängern und Musikern, dass die Musik bald auch in der realen Welt wieder erklingen kann. Sie haben noch viel vor in diesem Jahr – zum Beispiel die Aufführung von Ludwig van Beethovens „Missa solemnis“ am 22. November, die von einem umfangreichen Begleitprogramm eingefasst werden soll.