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Ist keine Seife da, nimmt man eben Bimsstein

Ist keine Seife da, nimmt man eben Bimsstein

Abseitsfalle: Der Kabarettist Heinrich Pachl mit erhellenden Einsichten im Bonner Pantheon

Bonn Ein Jahr vor der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland ist es für viele Kabarettisten anscheinend verlockend, sich auf der Suche nach einem Programmtitel vom Spiel auf dem grünen Rasen inspirieren zu lassen. Altmeister Heinrich Pachl hat die berüchtigte "Abseitsfalle" gewählt - und liefert erhellende Einsichten in innen- und außenpolitische Ereignisse.

Mit sehr schneller Sprache, schnellem Vortrag und durchaus einleuchtenden Analogien aus dem Alltag. Da lässt sich dann auch über uralte Heuler hinwegsehen, mit denen Pachl hin und wieder anrückt: Westerwelle sei die "Einheit zwischen Clearasil und Aftershave".

Natürlich hat der Grimme-Preisträger mehr auf dem Kasten. Zum Beispiel gewagte Thesen. Wer hat sich je Gedanken über Fischers wahre Motivation in der Visa-Affäre gemacht? Zwangsprostituierte aus Osteuropa hätten nach Portugal durchgeschleust werden sollen, um dort mannigfach Maurer und Poliere mit Aids zu verseuchen, damit diese dann nicht mit Dumping-Löhnen in die deutsche Baubranche drängen.

Und wann legt ein PR-Berater Angela Merkel nahe, beim nächsten Wahlkampf-Auftritt ein Petticoat anzuziehen? So würde sie nämlich auch von Peter Kraus gewählt, und schließlich benötige sie ja jede Stimme.

Bundespräsident Köhler habe gesagt, wer keine Arbeit habe, solle wenigstens seinen Stolz behalten. Gut gebrüllt, findet Pachl: "Wenn man keine Seife hat, nimmt man Bimsstein. Wenn man keine Arbeit hat, nimmt man Stolz."

Dann doziert der Mann aus Köln-Nippes über Gemeinsamkeiten zwischen einem Arbeitsvermittler und einem Mastschwein für Parma-Schinken - und darüber, dass das Betreten einer Arbeitsagentur Parallelen zum horizontalen Besteigen der Eiger-Nordwand aufweise.

Pachl knüpft frappierende Zusammenhänge, bevorzugt angesiedelt im Essen-und Trinken-Kosmos. Die CDU habe die Wahl in Nordrhein-Westfalen gewonnen, weil die Menschen einen Markennamen gewollt hätten. Steinbrück klinge nach einem noch nicht eingeführten Doppelkorn, Rüttgers hingegen sei allen ein Begriff - "Puffbrause zwar, aber da weiß man, was man hat."

Polyglott wird's später: "Es geht bei der amerikanischen Politik immer um Bedrohung und Entschlossenheit. Und Bush hat die Wahl trotz des Irak-Krieges und trotz der nicht vorhandenen Massenvernichtungswaffen gewonnen - wegen der Homo-Ehe. Das können wir nicht verstehen, weil wir diese Bedrohung nicht kennen."