4500 Blues-Fans in der Lanxess-Arena Joe Bonamassa gibt sich fast unverschämt lässig

Der amerikanische Gitarrist und Blues-Musiker Joe Bonamassa begeistert in der Kölner Lanxess-Arena mit seinem virtuosen Gitarrenkünsten. Auch seine Band ist exquisit.

Blues-Gitarrist Joe Bonamassa mit seiner Band auf der Bühne der Kölner Lanxess-Arena.

Blues-Gitarrist Joe Bonamassa mit seiner Band auf der Bühne der Kölner Lanxess-Arena.

Foto: Thomas Brill

Ohne Vorprogramm, pünktlich um 20 Uhr und ungemein konzentriert auf das Wesentliche, nämlich auf den Rock und seine Blues-Wurzeln, startete die Deutschland-Premiere der Europa-Tour von Joe Bonamassa in der Kölner Arena. Gut 4500 Anhänger, darunter sicherlich zahlreiche Hobby-Gitarristen, waren gekommen, um den angesagten Meister des Blues orientierten Upcyclings zu feiern.

Der in New Hartford (N.Y.) geborene Musiker, der am 8. Mai 47 Jahre wird, demonstriert in eng sitzendem Anzug und schmaler Sonnenbrille, die der von Easy Rider Peter Fonda ähnelte, dass er den Blues keinesfalls in einer Vintage-Ecke endlagern will. So erweckt er auch gar nicht erst den Anschein, als käme er in zerrissenen Jeans und verwaschenem Hemd mit aufgekrempelten Ärmeln gerade vom Baumwollfeld.

Im Scheinwerferlicht

Nachdem er sich kurz am äußeren Bühnenrand gesammelt hat, tritt er ins Scheinwerferlicht während die inklusive zweier Sängerinnen sechsköpfige Band ihm mit „Hope You Realize It (Goodbye Again)“ einen dicht gewobenen und dennoch flauschigen Soundteppich auslegt, über den er sein fließendes Gitarrenspiel drapiert. Während „Gitarrengott“ Eric Clapton für seine ruhige Hand bekannt war, ist es bei Bonamassa der nicht enden wollende Strom aus Soli und Riffs, mal filigran, sanft und leise, mal laut bis eruptiv krachend, der sein Spiel ausmacht.

Bonamassa ist kein Archivar, der orthodox über Blues-Reinheitsgebote wacht, sondern definitiv ein Innovator, der die Musik, die er liebt, zukunftsorientiert klingen lassen möchte. Jeder Song ist komplex arrangiert und präsentiert sich als kleine Sinfonie, in der die unterschiedlichsten bluesigen Gemütsverfassungen von Niedergeschlagenheit bis Wut eine klangliche Umsetzung erfahren. Immer wieder sind es schnelle, jubilierende Gitarrenläufe, die die Fans zu Szenenapplaus hinreißen.

Als Saitenzauberer gelingt es Bonamassa, seine technische Perfektion nie zum technokratischen Selbstzweck werden zu lassen. Alles klingt fast unverschämt lässig, als würde er seine Ideen gerade aus dem Ärmel schütteln. Dabei kann er sich auf die exzellente Zuarbeit insbesondere von Reese Wynans an der Hammond-Orgel, der ebenfalls regelmäßig stürmischen Beifall bekommt, von Gitarrist Josh Smith, der mehrmals selbst mit erstklassigen Soli brilliert, Bassist Calvin Turner sowie Lamar Carter, der die bereits nahezu vergessene Tradition des Schlagzeugsolos auf ganz exzellente Weise wiederbelebt, verlassen.

Inspirierende Vorbilder

In der perfekten Balance zwischen Blues-Tradition und moderneren Soundanstrich sind manche inspirierende Vorbilder deutlich herauszuhören. Nicht zuletzt wegen des alle Höhenrekorde brechenden Gesangs der australischen Sängerin Jade MacRae erinnert „Self-Inflicted Wounds“ an den Pink Floyd-Klassiker „The Great Gig in the Sky“. Gelegentlich klingt der Bonamassa-Blues auch hardrockig wie einst bei Led Zeppelin. Moderne Funk-Rhythmik, gepaart mit ansteckender Spielfreude, dominiert bei „I Feel Like Breaking Up Somebody`s Home Tonight“, einem Cover von Ann Peebles.

Nach der Zugabe „Mountain Time“ aus Bonamassas Frühzeit setzt frenetischer Jubel den Schlusspunkt unter ein zweistündiges grandioses Konzert.

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