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Bonn liest ein Buch: Juli Zeh macht das Rennen

Bonn liest ein Buch : Juli Zeh macht das Rennen

Die Jury der Aktion „Bonn liest ein Buch“ legt sich auf auf den Roman „Über Menschen“ der gebürtigen Bonnerin Juli Zeh als Gewinner fest

Bonn liest, und zwar Juli Zeh. Beziehungsweise ihren aktuellen Roman „Über Menschen“. Das hat nun die siebenköpfige Jury der Aktion „Bonn liest ein Buch“ entschieden. Wie berichtet, hat das Bonner Literaturhaus jenes Projekt ins Leben gerufen, das im Herbst die gesamte Stadt in vielfältiger Weise bespielen soll – mit dem General-Anzeiger als Medienpartner. Mit diesem „Gewinnerbuch“ schließt sich durchaus ein Kreis, wurde doch Juli Zeh am 30. Juni 1974 in der damaligen Bundeshauptstadt geboren. Inzwischen lebt die Juristin und Schriftstellerin mit Ehemann und zwei Kindern in dem kleinen Dorf Barnewitz in Brandenburg.

Unter dem Vorsitz der Autorin Sabine Trinkaus hatten die sieben Juroren zwei Stunden lang intensiv diskutiert. „Wer das Rennen machen würde, zeichnete sich lange Zeit nicht ab“, berichtete Almuth Voß, Programmleiterin des Bonner Literaturhauses. Mehrere Shortlist-Titel hätten so überzeugt, dass es sogar vier ernsthafte Kandidaten gegeben habe. Zu den konkurrierenden Romanen zählten etwa „Daheim“ von Judith Hermann oder auch „Oberkampf“ von Hilmar Klute. Am Ende setzte sich mit nur einem Punkt Vorsprung Juli Zehs „Über Menschen“ durch; Jurorin Sylvia Gladrow (Stadtbibliothek Bonn) hatte jenen Roman für „Bonn liest ein Buch“ vorgeschlagen.

Ein Neonazi als Nachbar

In ihrem aktuellen Roman erzählt Juli Zeh die Geschichte von Dora, die mit ihrer kleinen Hündin aufs Land gezogen ist. In einem Provinznest namens Bracken in der Pampa Brandenburgs (vielen Lesern aus Zehs vorigem Roman „Unterleuten“ bekannt) erhofft sie sich einen Tapetenwechsel und mehr Zeit und Ruhe für sich. Außerdem ist Dora vor dem Lockdown in der Großstadt geflohen – doch so idyllisch wie gewünscht entpuppt sich das neue Zuhause nicht. Der Neonazi als Nachbar ist da nur der Anfang. Es geschehen unerwartete Dinge, es tauchen Menschen auf, die in kein Format passen. Und Doras bisheriges Leben wird massiv herausgefordert. Der Literaturkritiker Denis Scheck („Druckfrisch“, ARD) urteilte: „Ein Buch, das einem die Augen öffnet für unsere bundesrepublikanische Wirklichkeit.“

Vielfach ausgezeichnete Autorin

Juli Zeh wurde für ihr Werk bereits vielfach ausgezeichnet, etwa 2013 mit dem Thomas-Mann-Preis. Schon ihr Debütroman „Adler und Engel“ (2001) wurde zu einem internationalen Erfolg. Inzwischen sind ihre Romane in bislang 35 Sprachen übersetzt worden. 2018 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz und wurde zur Richterin am Verfassungsgericht des Landes Brandenburg ernannt.

Ob Juli Zeh im Herbst in ihre Geburtsstadt zurückkehrt, wenn es heißt „Bonn liest ein Buch“ – nämlich „Über Menschen“? Das ist leider mehr unwahrscheinlich als wahrscheinlich: Juli Zeh macht sich am liebsten rar und tritt kaum bei Lesungen auf. Wir werden sehen. 

Juli Zeh: Über Menschen. Luchterhand, 416 Seiten, 22 Euro

www.bonnliesteinbuch.de