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Preisträger-Soirée im Beethoven-Haus: Junge Botschafter Beethovens

Preisträger-Soirée im Beethoven-Haus : Junge Botschafter Beethovens

Bei der gestreamten Preisträgersoirée der Internationalen Telekom Beethoven Competition stellten sich die neuen Teilnehmer in kurzen Videos vor. Der Wettbewerb findet im Dezember statt.

Die eine mag Beethoven wegen seiner „verletzlichen Art“, der andere wegen seiner „Verrücktheit und Innovation“, ein dritter, weil die Musik des großen Bonner Sohns ihn dazu zwinge, „an Grenzen zu gehen“. 28 solcher Videobotschaften sind im Organisationsbüro der Internationalen Beethoven-Competition in den letzten Monaten eingegangen. Die 28 jungen Pianisten und Pianistinnen, die zum  diesjährigen Wettbewerb – vom 2. bis 11. Dezember - zugelassen wurden, hatten diese sympathischen Kurzstatements im Handyformat vorbereitet.

Vorfreudige Grußbotschaften

Gezeigt wurden sie nun bei der Preisträgersoirée, die am Mittwochabend im Kammermusiksaal des Beethovenhauses über die Bühne ging, ohne Publikum, dafür als Livestream. Aus allen Grußbotschaften sprach die Vorfreude auf den Wettbewerb, vor allem auf die Aussicht, wieder vor Publikum spielen zu können. Der Moderator des Abends, Daniel Finkernagel, ernannte die jungen Talente zu „Botschaftern“ der Musik Beethovens.

Zwei solcher Botschafter bestritten den musikalischen Teil des Abends: Yuto Takezawa aus Japan und Shihyun Lee aus Südkorea. Takezawa errang bei der Competition 2019 den zweiten Preis sowie den Publikumspreis, den die Zuhörer im Finale für die beste Interpretation eines Klavierkonzertes vergeben. Takezawas Spiel im Klavierkonzert Nr. 4 hatte also den Saal begeistert, etwas weniger die Jury (es gewann bekanntlich Cunmo Yin aus  China). Dafür kann Takezawa sich nun eine Replik der Beethovenbüste von Naoum Aronson ins Regal stellen. Das Original von 1905 steht im Garten des Beethoven-Hauses und zeigt nicht den heroischen, sondern einen nachdenklichen, schmerzerfüllten Komponisten. Gestiftet wurde diese Replik wieder einmal von Gudula Neidert-Buech, die sie auch an den Pianisten übergeben durfte.

Der lieferte danach eine erste Konzerthälfte ab, die man schlicht großartig nennen muss. Sein Spiel ist makellos und bis in kleinste Details hinein ausgestaltet. Er begann mit zwei Werken von Beethoven: dem Rondo C-Dur und der Sonate in G-Dur op.79, manchmal „Kuckuckssonate“ getauft. Die brillanten Ecksätze der letzteren gerieten federnd und sehr schön luftig, gepaart mit Sinn für den bisweilen kecken Humor. Daran schloss sich Bachs englische Suite in g-Moll an. Wunderbar, wie Takezawa kunstvoll ineinandergewobenes Liniengeflecht behutsam entzerrte, ebenso grandios die Sarabande, deren überreiche Verzierungen er wie Improvisationen klingen ließ.

Wie ein zarter Luftzug

Shihyun Lee, 2019 Dritte geworden, bot ein stilistisch weniger breit gefächertes, doch nicht minder anspruchsvolles Programm. Beethovens „Sturmsonate“ in d-Moll eröffnete sie spannend, weil ungewöhnlich. Sie nahm das Arpeggio wie einen zarten Luftzug, durch den ein Blatt aufgewirbelt wird und wieder herabsinkt. Danach ging es bei ihr allerdings eine Spur zu brav zu. Sehr tiefsinnig gelang hingegen das Adagio. Tiefschürfend und nuancenreich schließlich Schumanns gewaltige C-Dur-Fantasie op.17, die der Komponist als Fortsetzung Beethovenscher Sonaten in romantischer Klangsprache verstanden wissen wollte. Lees Darbietung nahm durch Leidenschaft und Musikalität für sich ein.