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Bonner Theater- und Orchesterangebote für Kinder und Jugendliche : Junge Musiker komponieren wie Beethoven

Bonner Theater- und Orchesterangebote für Kinder und Jugendliche : Junge Musiker komponieren wie Beethoven

Die Vermittlungsplattform „Portal“ von Orchester und Theater geht in die nächste Runde. Start ist am Sonntag mit der Aufführung von „Ritterballett reloaded“ mit eigenen Musikstücken von Jugendlichen.

Im März des Jahres 1791 feierte die feine Bonner Gesellschaft im Redoutensaal einen Maskenball. Die Musik dazu hatte der junge Ludwig van Beethoven komponiert – was glücklicherweise eindeutig überliefert ist, obwohl die Veranstalter die Autorschaft des 20-jährigen Genies damals noch unter den Tisch fielen ließen. Den heutigen jungen Komponisten soll es da besser als Beethoven mit seiner „Musik zu einem Ritterballett“ ergehen. Unter dem Titel „Ritterballett reloaded“ haben in den vergangenen Monaten acht Jugendliche zwischen 13 und 20 Jahren aus Bonn und dem gesamten Rheinland trotz Lockdowns unter Anleitung des Komponisten David Graham an Neukompositionen zu Ludwig van Beethovens Stück gearbeitet. Das Ergebnis erklingt am Sonntag, 11 Uhr, bei einem Konzert im Opernhaus, gespielt werden die Werke der jungen Meister von Musikern des Beethoven Orchesters unter Leitung der Dirigentin Carolin Nordmeyer.

Mit dieser Aufführung beginnt die gemeinsame Vermittlungsplattform von Theater, Oper und Orchester „Portal“ seine diesjährige Aufführungsserie. Trotz Corona haben sich die Theater- beziehungsweise Musikpädagoginnen Eva Eschweiler (Orchester), Rose Bartmer (Oper) und Angela Merl (Sprechtheater) für die gerade angelaufene Saison viel vorgenommen. Ihre Arbeit besteht freilich nicht nur darin, Angebote im Haus zu schaffen, wofür die junge Zielgruppe Tickets erwerben kann. Es ist vielmehr ein permanenter Austausch, der sowohl aus aktiver Teilhabe an Musik und Theater als auch an pädagogisch begleiteter Rezeption besteht. Probenbesuche, Führungen durchs Opernhaus oder Instrumentenvorstellungen gehören genauso dazu wie Workshops oder eigene Aufführungen.

Konzertsäle und Theaterhäuser müssen Begegnungsstätte für alle Menschen sein, finden sie. „Unser Ehrgeiz ist es, für ein Publikum von drei bis 99 ein Angebot zu haben“, sagt Rose Bartmer. Und unterstreicht: „Das ist unser Bildungsauftrag.“

Eigenes Abo für die junge Generation

Um das junge und jüngste Publikum aus allen sozialen Schichten zu erreichen, haben sie mittlerweile eine sehr effiziente Infrastruktur entwickelt, bei der sich als wichtigster Ansprechpartner die Schulen erwiesen haben. „Wir haben da über die Jahre langfristige Beziehungen aufgebaut“, sagt Bartmer. Wobei es für die Arbeit des „Portals“ wichtig ist, sowohl in den Stadtteilen präsent zu sein, als auch in allen Schulformen von Förderschule bis zum Gymnasium. Eschweiler: „Viele Kinder erreichen wir nur über die Schule. Und da sind wir auf die Lehrer angewiesen.“ Und Bartmer ergänzt: „Wir sagen nicht: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“

Ein bisschen stolz sind sie auch darauf, dass ihre junge Klientel die einzige ist, für die in der aktuellen Corona-Spielzeit ein eigenes Abo aufgelegt wurde. Für 15 Euro können sie dreimal ins Theater oder Konzert gehen und genießen sogar das Privileg, auf den besseren Plätzen im Parkett oder ersten Rang zu sitzen.  Für Merl hat das eine klare Signalwirkung: „Es zeigt, dass wir durch die Theaterleitung eine große Rückendeckung erfahren.“

Die Schüler sollen alle Sparten kennenlernen

Das ist freilich gerade in Krisenzeiten von unschätzbarem Wert. Denn für die Pädagoginnen kommt es darauf an, die jungen Menschen sozusagen bei der Stange zu halten. Da hilft zum Beispiel das vor kurzer Zeit eingerichtete Bildungsspartenprogramm. Merl: „Damit gehen wir jetzt in die zweite Runde. Darin lernt eine gesamte Unterstufe über drei Jahre jede Sparte kennen, zum Beispiel in der fünften die Oper, in der sechsten das Schauspiel und in der siebten das Orchester.“ Und danach sollen die Jugendlichen dann auch mehr und mehr den Abendspielplan besuchen.

In der Oper steht als nächstes großes Projekt die Premiere „Faust – ein musikalisches Traumspiel“ auf dem Programm (Premiere am 24. Oktober, 19.30 Uhr). Der Goethe-Stoff kommt da in einer Version auf die Bühne, die von Regisseur Jürgen R. Weber erarbeitet wird und von Ekaterina Klewitz, der Kinder- und Jugendchorleiterin der Oper, musikalisch realisiert wird. In dem Stück sollen Goethes Faust-Dramen „zu einem beethovenesken musikalischen Erinnerungsmosaik transformiert werden“.

Das Sprechtheater setzt ebenfalls auf einen Klassiker. Hausregisseur Simon Solberg inszeniert Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“, Premiere ist am 21. November. Außerdem wird am 18. November Evan Placeys „Mädchen wie die“ wiederaufgenommen. Merl: „Das konnten wir wegen Corona nur zweimal spielen.“