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Philharmonischer Chor der Stadt hat viel vor: Karfreitag wird zum Festtag

Philharmonischer Chor der Stadt hat viel vor : Karfreitag wird zum Festtag

Der Philharmonische Chor der Stadt Bonn und sein Chef Paul Krämer freuen sich auf spannende Projekte.

Die menschliche Stimme ist ein empfindliches Instrument. Dass sie auch ein gefährliches dazu ist, mussten in den vergangenen Monaten zahllose Laien- und Profichöre erfahren, die wegen der Aerosol-Wolken, die sich beim Singen entwickeln, weder auftreten noch proben konnten.

Viele versuchten, online über Zoom-Konferenzen ein Chorleben aufrechtzuerhalten. „Das funktioniert aber natürlich gar nicht“, hat der Direktor des Philharmonischen Chores der Stadt Bonn, Paul Krämer, in den ersten Wochen nach dem Lockdown im März festgestellt. „Das gemeinsame Hören und das gemeinsame Singen war gar nicht möglich. Und darum geht es ja schließlich.“

Mittlerweile hat sich die Lage etwas entspannt. Proben sind wieder möglich, wenn auch unter strengen Hygienrichtlinien. Auch erste Konzerte haben sie Anfang September bereits gegeben - noch Open Air auf dem Alten Friedhof. „Es wird eine wahnsinnig schwierige Saison“, sagt Krämer.

Nach Konzertabsagen im Frühjahr wird die als Eigenproduktion des Philharmonischen Chores geplante Aufführung von Ludwig van Beethovens „Kantate auf den Tod Kaiser Josephs II.“ WoO 87, die „Kantate auf die Erhebung Leopolds II. zur Kaiserwürde“ WoO 88 und Wolfgang Amadeus Mozarts „Requiem“ in d-Moll  KV 626 im Oktober nicht stattfinden können. „Das wäre unser großer Beitrag zum Beethovenjahr gewesen. Darauf verzichten zu müssen, ist sehr schmerzlich“, sagt Krämer.

Aber es gibt auch gute Nachrichten. Krämer: „Mich freut es aber sehr, dass unsere gemeinsamen Projekte mit dem Beethoven Orchester Bestand haben.“ Am 29. November steht dort ein überaus spannendes Programm auf dem Spielplan: In der Reihe „Um Elf“ ist der Chor zusammen mit dem Beethoven Orchester mit Beethovens Festspiel „Die Ruinen von Athen“ zu erleben, dessen Originaltexte von August von Kotzebue durch neue Texte von Feridun Zaimoglu und Günter Senkel ersetzt werden. Am Pult steht die Dirigentin Corinna Niemeyer.

Auch das darauffolgende Konzert ist Teil des Saisonprogramms des Beethoven Orchesters und zugleich eines der Highlights im Endspurt des Beethovenjahres 2020: Bei der BeethovenNacht am Vorabend von Beethovens Tauftag wird am 16. Dezember der Philharmonische Chor zu den Hauptakteuren zählen. Gespielt wird ein ebenso ungewöhnliches wie reizvolles Programm. Im Telekom Forum erklingen neben Werken des Jubilars eigens für den Anlass komponierte Uraufführungen des Neoklassik-Stars Max Richter und des legendären Michael-Jackson-Produzenten Quincy Jones. Es dirigiert Dirk Kaftan.

Dass der Chor angesichts steigender Infektionszahlen im November und Dezember wohl noch mit Sicherheitsabstand auftreten muss, sei noch eine besondere Herausforderung. „Wir müssen in dieser Situation offen sein für jede kreative Lösung“, sagt Krämer. „Mir ist vor allem wichtig, dass wir präsent sind.

Das größte Projekt der kommenden Spielzeit wird das Karfreitagskonzert des Beethoven Orchesters am 2. April 2021 sein. An diesem Tag steht das Deutsche Requiem von Johannes Brahms auf dem Programm. Den Bariton-Part übernimmt der Bayreuth-erprobte Alejandro Marco-Buhrmester, die Leitung hat der bedeutende estnische Dirigent Neeme Järvi. Solche Begegnungen machen einen großen Reiz seiner Arbeit aus, findet der 30-jährige Krämer: „Es ist immer wieder hochspannend, einen Laienchor so auf ein Konzert vorzubereiten, dass er mit einem professionellen Ensemble wie dem Beethoven Orchester und solch großartigen Dirigenten zusammenarbeiten kann“.

Mit einem Requem wird die Saison dann auch am 3. Juli ausklingen. In der Kapelle auf dem Alten Friedhof steht dann Maurice Duruflés op. 9 auf dem Programm, in einer Fassung für Kammerchor und Klavier. Flankiert wird es von Werken von Francis Poulenc, Camille Saint-Saëns und Josquin Desprez.

Bis dahin, hofft Krämer, ist das Schlimmste der Krise überwunden. Und er plant auch schon mit entsprechendem Optimismus für die Zukunft. „Für den September 2021 planen wir Felix Mendelssohn Bartholdys Oratorium ‚Elias’“, verrät Krämer. „Wir wollen auf jeden Fall das nächste Großprojekt auf den Plan setzen.“ Und nach dem jetzigen Stand wird es wirklich groß; denn der Philharmonische Chor der Stadt Bonn erhält dabei stimmliche Verstärkung durch die Kölner Karthäuser Kantorei, deren Leiter ebenfalls Krämer ist.