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Bonner Haus der Papierindustrie: Karikaturist Burkhard Mohr präsentiert sich unter dem Motto "Papier Pikant"

Bonner Haus der Papierindustrie : Karikaturist Burkhard Mohr präsentiert sich unter dem Motto "Papier Pikant"

Der FDP-Karren steckt tief im Dreck. Zerzaust hängen Brüderle und Rösler in der Luft, und Westerwelle fleht: "Ho du uns hier raus, Rainer!" Burkhard Mohrs Zeichnung verrät eines: Man kann nicht sagen, das laufende Jahr sei ein schlechtes für Karikaturisten gewesen.

Es gab ordentlich Futter: Berliner Flughafen, Elbphilharmonie und Stuttgart 21, EU-Finanzen. Das Beste aus 2013 und ein paar Schlaglichter von 2012 präsentiert GA-Karikaturist Mohr zurzeit unter dem Titel "Papier Pikant" im Bonner Haus der Papierindustrie, insgesamt rund 70 Zeichnungen, die das politische und gesellschaftliche Geschehen beleuchten und aufspießen.

Herrlich pointiert und zugleich anspielungsreich Mohrs Kommentar zur Großen Koalition: Merkels Bett ist aufgeschlagen, sie gurrt ein "Siegmar?", während über dem Koalitionsbett ein Foto von Merkel und Müntefering von 2005 hängt. Der Clou der Szene: Ein Zaungast schaut durchs Fenster zu, er trägt einen Zylinder wie Uncle Sam, die Sterne auf dem Hut lassen aber eher an die EU denken.

Wie so oft erweist sich Mohr hier als ein Zeichner, der nicht auf die schnelle Pointe aus ist, sondern kleine Geschichten kunstvoll verquickt. Auf Angela Merkel hat sich Mohr perfekt eingeschossen, Mundwinkel, Frisur, Tupfenkleid, alles sitzt. Zum Beispiel in der Zeichnung, bei der Merkel Obama gegenübersitzt und fragt: "Sagen Sie mir, was ich denke, Mister Obama!". Er darauf, in sein Prism-Laptop schauend. "Ab wann?"

[kein Linktext vorhanden]Auf einem anderen Blatt erscheint Obama als Riesenkarpfen, der einen ganzen Schwarm Daten-Fische verschluckt. Was der Betrachter erst auf den zweiten Blick sieht: Obama selbst steckt im Maul des noch größeren China-Karpfens. Doch nicht nur die große Politik steht im Fadenkreuz des Satirikers Mohr.

Auch die urdeutsche Befindlichkeit wird kommentiert: Da schwimmt ein makelloser, riesiger Deutschlanddampfer auf dem Meer, um ihn herum Wracks, sinkende Schiffe und windige Flöße. Und der deutsche Michel kreischt: "Hilfe, ich ertrinke!"

Mohrs Bonner Karikaturenlese zeigt uns vor allem eines: Ohne tägliche Bild-Kommentare zur Lage mit spitzer Feder ist das Leben nur halb so schön und verständlich.

Info: Verband Deutscher Papierfabriken im Haus der Papierindustrie, Adenauerallee 55; bis April 2014. Geöffnet zu den Bürozeiten. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.