Kinderoper im Augustinum

Musiktheater für junge Leute: Erste Saison "Bobbys Klassik" startet in Bonn - Joseph Rheinbergers "Das Zauberwort" fordert junge Sänger

Bonn. Thomas Honickel hat Sinn für Humor. "Als was komme ich gleich?", fragte der neue Konzertpädagoge sein junges Publikum, noch bevor er in den Dirigentenfrack schlüpfte. Richtig: "Als Pinguin!" Doch verzaubert war der Mann am Pult gottlob nicht, anders als die beiden Protagonisten in Joseph Rheinbergers "Das Zauberwort", das unter Leitung von Honickel im Theatersaal des Augustinums aufgeführt wurde.

Darin lassen sich der Kalif von Bagdad und sein Großwesir in Störche verwandeln, finden aber (zunächst) nicht wieder in menschliche Gestalt zurück, weil sie das Zauberwort vergessen haben. Mit der 1888 entstandenen Kinderoper (nach "Kalif Storch" von Wilhelm Hauff) startete die erste Saison von "Bobbys Klassik", dem neuen konzertpädagogischen Programm des Beethoven Orchesters.

Reichlich orientalisches Flair entfaltete sich auf der Bühne, man erblickte Volk und Hofstaat ("Lalelu", Kinderchor der Evangelischen Kirche Holzlar, "Kid's Klassik Jugendchor Wuppertal" und Gastkinder aus Bonn und der Region), farbenfroh in Turbane, Schleier und Pluderhosen gewandet, die um den Schlummer ihres Kalifen besorgt sind ("niemand störe seine Ruh"). Und dank Videoprojektion erhoben sich die Minarette von Bagdad im Hintergrund.

Seine Langeweile besingt der Kalif (Michael Köster) in einer schönen, melodiösen Arie, sein Großwesir (Carla Bube) schafft zur Unterhaltung einen Krämer (Anna Dettmar) herbei. Der verkauft dem Regenten Zauberpulver nebst einem mysteriösen Schriftstück, das vom Gelehrten Selim (Nora Krause) entziffert wird. Und schon verwandeln sich Großwesir und sein Kalif mittels des Wortes "Mutabor" in zwei Störche. Leider vergessen die beiden alsbald diese Losung, was den bösen Zauberer und Drahtzieher im Hintergrund Mizra (Felix Aring) auf den Thron bringt.

Doch Fortuna spielt mit, der Krämer plaudert das Wort aus, Mizra wird gestürzt, und auch die Mondeule Lusa (Anna Feichtinger), die ihr Schicksal in einer melancholischen Arie beklagt, darf wieder Mensch (und Frau des Kalifen) werden. Joseph Rheinberger erfindet eingängige Arien, Duette und Terzette, die junge Sänger fordern, aber nicht überfordern. Die Musik, von Thomas Honickel instrumentiert, ist mal flink und buffonesk, mal innig und lyrisch, und bedient sich angenehm zurückhaltend zeittypischer Orientalismen.

Die jungen Solisten bewältigten ihre Aufgaben mit Bravour, wenn auch in der Aufregung manche Textpassage undeutlich blieb, ein Kammerensemble aus Musikern des Beethoven Orchesters sorgte für (insgesamt vier) kompetente Aufführungen. Statt in den Orient geht es beim nächsten Kinderkonzert in den Sternenhimmel (9. November, 15 Uhr, Studio der Beethovenhalle).