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Premiere im GOP Bonn: Klassische Nummernrevue

Premiere im GOP Bonn : Klassische Nummernrevue

„Neo“ vereint im GOP neue Talente mit alten Kunstfertigkeiten. Das kommt gut an. Und die Rheinländer gibt’s angenehme Zwischentöne.

Sie sind jung, hochmotiviert und kreativ. Sandra Wawer, die Anfang dieses Jahres von Werner Buss die Künstlerische Leitung von GOP Showconcept übernommen hat, hat sich zusammen mit ihrem Vorgänger umgeschaut bei Festivals und Abschlusspräsentationen internationaler Artistenschulen und neue Talente entdeckt. Das Ergebnis heißt schlicht „Neo“, war schon in Essen und Bremen zu erleben und feierte am Donnerstag seine umjubelte Bonn-Premiere.

Es ist eine klassische Nummernrevue ohne aufwendiges Bühnenbild, konzentriert auf die jungen Künstlerinnen und Künstler. Es beginnt geradezu romantisch mit einer zärtlichen Partnerakrobatik des Italo-Briten Michael Togni und seiner bezaubernden Yulia, die aus der Ukraine stammt und erkennbar über eine klassische Ballettausbildung verfügt. Die beiden seien nicht nur privat ein Paar, sondern hätten kürzlich sogar geheiratet, verriet Moderator Martin Quilitz.

Der versierte Entertainer führt souverän mit einem ordentlichen Schuss Selbstironie durch die Show – zu Beginn im Schottenkaro-Anzug („Original Gottschalk 80er Jahre“), später in modisch etwas weniger kühnen Outfits. Natürlich hat er auch besonderen Balsam für die Bonner Seelen auf Lager. Die Stadt sei längst nicht mehr Bundesdorf, sondern Weltdorf. Tusch! Als bekennender Ostwestfale hat er auch was für die Rheinländer parat. Die Düsseldorfer seien Kölner ohne gute Laune, die Bonner Kölner mit höherer Schulbildung.

Jojo-Jonglage mit Streetdance

Das freut auch den Kölner Musiker und überzeugten Beethovenfan Holger Dieffendahl, der auf diversen Instrumenten den filmreifen Soundtrack zur Show liefert und mit eigenen Songs für leise Zwischentöne sorgt. Als komödiantischer Sidekick zu Quilitz‘ charmanter Moderation (inklusive perfektem Zahlengedächtnis) ist er zudem ein eigenwilliger Mitspieler, der mit cooler Lässigkeit manche Pointen zuspitzt.

Eindeutiger Star beim jüngsten Publikum ist freilich der Japaner Shu Takada mit seiner zauberhaften Jojo-Jonglage, kombiniert mit Streetdance-Elementen. Hier wird ein Kinderspielzeug zum funkelnden Requisit einer magischen Performance von fabelhafter Ästhetik. Ähnliches schafft auch das deutsche Duo One Line mit seinen brillanten Diabolo-Tricks. Sylphie Currin aus San Francisco begeistert mit schillernden Hula-Hoop-Reifen und hat die Kunst des Hair-Hangings neu entdeckt. An einem kunstvoll geschlungenen Haarknoten schwebt sie als anmutige Sylphe wie ein Elementargeist ohne Bodenhaftung über alle romantischen Abgründe.

Wie eine magische Erscheinung aus der schwarzen Romantik fliegt dagegen Erin Skye aus Australien an den Strapaten im gefährlichen Luftraum zwischen Erde und Himmel und evoziert mit wahnsinnigen Körperverrenkungen geheimnisvolle Geschichten. Erdverbundene Kraft und artistische Eleganz verbinden die Togni Brothers in ihren „Ikarischen Spielen“. Das reicht zurück in die Antike bis zur Sagengestalt Ikarus, der mit künstlichen Flügeln der Gefangenschaft zu entfliehen suchte. Michael als stabiler Antipode hebt den Flieger Dario mit den Füßen zu irren Luftnummern, wobei zehnfache Salti selbst beim Zuschauen schon zu einem Schleudertrauma führen könnten.

Mit viel Fantasie und Witz

Größte Sympathie verdient indes Amélie Bolduc aus Kanada mit ihrer Stabjonglage und ihren Kunststücken am Cyr-Wheel. Kein ätherisches Wesen, immer fröhlich strahlend und tänzerisch ein fulminantes Energiebündel.

Genauso wie „Neo“ insgesamt traditionelle Bewegungsformen erfrischend neu mit viel Fantasie und Witz in der Regie von Knut Gminder und der Choreografie von Ingrid Korpitsch geistesgegenwärtig interpretiert präsentiert. Ein hinreißend schwereloses Vergnügen und nach gut zwei Stunden (inklusice Pause) im ausverkauften Bonner GOP mit langem Premierenapplaus für das hervorragende junge Ensemble belohnt.