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Eine glückliche Landung: Klaus Doldinger beweist Klasse in der Philharmonie

Eine glückliche Landung : Klaus Doldinger beweist Klasse in der Philharmonie

Ohren spitzen: Klaus Doldinger's Passport in der Kölner Philharmonie beweist seine Klasse. Am Ende gibt es verdienten Beifall.

Es reicht das charakteristische „Ping“ am Anfang, und die Bilder sind sofort da: Der Seekrieg im Atlantik, U 96, La Rochelle, Jürgen Prochnow und der junge Herbert Grönemeyer in den Hauptrollen. Klaus Doldingers Musik zu Wolfgang Petersens „Das Boot“ ist jenseits des Kinofilms von 1981 selbst längst zum Klassiker geworden. Musik der suggestiven Bilder, immer schon Doldingers große Stärke. Dass er sie demnächst aus einem traurigen Anlass spielen wird, hat er uns am Sonntagabend in der Philharmonie erzählt: auf der Beerdigung von Erich Schulze, Gema-Mann der ersten Stunde im Nachkriegsdeutschland, kürzlich im Alter von 104 Jahren gestorben.

Beim Kölner Konzert mit seiner Band Passport hat Doldinger viel Persönliches von sich gegeben, über Freunde, seine Jugend inklusive Kölner Kurzepisode. Und er hat erzählt über den Gema-Funktionär Doldinger und seine kulturellen Standpunkte. Wenn einer wie er mit 81 Jahren zum Beispiel klar benennt, wie wichtig öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist, tut man gut daran, die Ohren zu spitzen.

Die Musik zu „Das Boot“ war Doldingers einzige Reverenz an seine großen Filmmusik-Erfolge. Passport ist seit 1971 sein Fusion-Bandprojekt, bei dem kommerzieller Erfolg nicht unbedingt das Hauptkriterium ist – der Vergleich mit Joe Zawinul's Weather Report als amerikanischem Pendant kommt nicht von ungefähr. Aber diese Musik geht trotzdem nicht am Hörer vorbei. Auch in diesem Kölner Konzert nicht.

Die Rezeptur von Doldingers Stücken wie „Abracadabra“, „Ataraxia“, „Happy Landing“ oder „Sahara“ ließe sich so zusammenfassen: Nimm eine prägnante melodische Linie oder Akkordfolge und bette sie in einen komplexen, klanglich sehr farbigen, streng durcharrangierten Kontext ein. Einerseits bleibt das intellektuelle Niveau dadurch hoch, andererseits fühlt man sich durch die eingängigen Bestandteile nirgendwo als Zaungast. In diesem Prinzip ist die Musik von Klaus Doldinger's Passport mit seinen kommerziellen Meisterwerken durchaus vergleichbar.

An der aktuellen siebenköpfigen Passport-Besetzung gab es künstlerisch nichts auszusetzen. Allen voran sorgte Doldingers enorm vitales Saxofonspiel immer wieder für Begeisterung. Eine aparte Weltmusiknote kam dann noch durch den marokkanischen Sänger und Gimbri-Spieler Majid Bekkas ins Spiel, der seit dem 2006er Album „Passport To Morocco“ zu Doldingers regelmäßigen Gästen gehört. Der in Köln lebende marokkanische Perkussionist Rhani Krija rundete die Besetzung ab. Mit „African Blues“ als Zugabe ging der Abend mit großem Beifall zu Ende.