Wintersleep in Köln Kleiner Bahnhof ganz groß

KÖLN · Die kanadische Band Wintersleep spielt im kleinen Yuca-Club in Köln das perfekte Konzert für einen Sonntagabend und kriegt sich vor Dankbarkeit kaum ein. Nur ein kleiner Wermutstropfen bleibt.

Manchmal sind es eben die kleinen Dinge, die Bands begeistern. Zum Beispiel rund 120 Zuschauer in einem kleinen Club in Köln, die die eigenen Songs feiern. Es scheint an diesem Abend im Yuca, dem kleinen Bahnhofsgewölberaum des Club Bahnhof Ehrenfeld, als würde der kanadischen Indierockband Wintersleep anderswo abseits der Heimat ein eher kleinerer, nun ja, Bahnhof bereitet.

Jedenfalls kriegt sich Frontman Paul Murphy kaum ein vor lauter Danksagungen - an Publikum, Bookerin und überhaupt. Seine vier Mitstreiter tun es ihm wortlos gleich und liefern für eine Band, die sich eher auf introvertierten, hymnischen Rock fokussiert, ein extrem leidenschaftliches Konzert ab.

Die Setlist besteht fast ausschließlich aus Songs von den beiden Album-Großtaten, dem 2007er "Welcome to the Night Sky" und dem aktuellen Longplayer "The Great Detachment", der nach zwei nur punktuell überzeugenden LPs wieder an das erstgenannte Werk anknüpft.

Neben dem etwas zu lärmigen Sound im kleinen Yuca gibt es allerdings einen echten Wermutstropfen: Murphy, dessen verletzliche, manchmal sogar ins flehende abkippende, helle Stimme bei höheren Tonlagen fast gänzlich im Lärm der Band untergeht, performt extrem zurückhaltend. Selbst bei hymnischen Songs wie "Amerika" oder "Weighty Ghost" vermag er es nicht, den Furor der Band stimmlich mitzugehen.

So bleibt eine hochemotionalisierte, oft in sich und die Stücke versunkene Band, deren Songs ihrer größten Stärke beraubt sind: der tragenden Kraft der Melodien ihres Frontmans. Und dennoch feiern die eingefleischten Fans fast jedes Stück - ungewöhnlich frenetisch fast für einen Sonntagabend. Vielleicht hat Murphy doch den richtigen Ton getroffen, am denkbar ungünstigsten Wochentag für abendliche Konzerte.

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