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Konzert in Köln: Kölner Philharmonie feiert 60 Jahre Langevoort

Konzert in Köln : Kölner Philharmonie feiert 60 Jahre Langevoort

Das Freiburger Barockorchester Orchester spielt und Anna Lucia Richter singt zum Geburtstag des Intendanten der Kölner Philharmonie Louwrens Langevoort .

Das Leben ist kein Wunschkonzert. Nur manchmal, da ist es doch eines. Zum Beispiel, wenn man Intendant der Kölner Philharmonie ist und einen runden Geburtstag feiert. Am Sonntag hat Louwrens Langevoort sich und den Kölnern was gegönnt. Auf den ersten Blick sah das nach einem Reihenkonzert aus, das dritte und letzte Porträtkonzert der Sopranistin Anna Lucia Richter, diesmal mit dem Freiburger Barockorchester und Collegium Vocale Gent.

Erst der Blick ins Programmheft ließ eine Ahnung aufkommen, dass der Intendant bei der Programmauswahl die Hand im Spiel gehabt hat. Auf Seite zwei wünschte die „Altersballade“ – vielleicht von Wilhelm Busch – Langevoort zum 60. symbolisch Glück bis zum 100.

Dann wäre er freilich schon ein Weilchen außer Dienst. Während seiner Amtszeit neigt man aber schon ein bisschen dazu, Symbolwerte aus Langevoorts Stück- und Interpretenauswahl herauszulesen. Da fiel besonders der deutliche Mozart-Schwerpunkt auf, mit besonderem Akzent auf Mozarts seltener gespielten Werken.

Die Konzertarie „Ch‘ io mi scordi di te?“ KV 505 ist so eines. Anna Lucia Richter hat diese großartige Musik dramatisch ganz ausgefüllt mit ihrem in allen Lagen sehr klangschönen Sopran. Das Orchester hat sich nirgends über sie erhoben. Eine sehr überzeugende Sache.

Seltene und fast vergessene Stücke ausgewählt

Seltener Mozart ist auch die Schauspielmusik KV 345 zu „Thamos, König in Ägypten“, die leider Arm in Arm mit Geblers eher mittelprächtigem Bühnenstück unverdientermaßen aus dem Blickfeld gewandert ist. Hier komplettierten Sophie Harmsen (Mezzo), Julian Prégardien (Tenor) und Tareq Nazmi (Bass) das exzellente Solistenquartett. Das Collegium Vocale Gent sorgte für die nötige Noblesse der Chorpartien.

Die Alte Musik war dabei, die bei Langevoort immer offene Ohren findet: Eine Suite aus Jean-Philippe Rameaus Oper „Zoroastre“. Eine pompöse Steilvorlage für das Freiburger Barockorchester, das in relativ stattlicher Streicherbesetzung unter dem Dirigat des Franzosen Jérémie Rhorer in jedem Moment einen frischen und straffen Eindruck machte.

Und dass Langevoort als künstlerischer Gesamtleiter des „Acht Brücken“-Festivals auch ein unermüdlicher Anwalt zeitgenössischer Musik ist, dokumentierte sich in einer Uraufführung des Spaniers Hèctor Parra. Dessen drei Shakespeare-Vertonungen für Tenor und Orchester hätte etwas mehr Mut zum Experiment gut getan. Parras Orchesterduktus und die klassisch-kantable Solostimme hatten mehr von Benjamin Britten als von stürmischer Avantgarde. Was nicht heißt, dass wir ein schlechtes Stück gehört hätten. Alleine die klare und sichere Tenorstimme von Julian Prégardien war ein Genuss.

Ein Konzert als Abbild einer Intendantenstrategie: Altes und Neues oder neu zu Entdeckendes, aufgeführt durch erstklassige auswärtige und lokale Klangkörper und Solisten. Ein guter Weg. Zum Abschluss wünschten alle Beteiligten Langevoort noch mit dem Schluss des Gloria aus Bachs h-Moll-Messe den Segen von oben.