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Lars Duppler hat sein Island-Projekt "Rætur" vorgestellt

Lars Duppler hat sein Island-Projekt "Rætur" vorgestellt

Dass hier keine elegischen Klangschwaden durch die Endenicher Harmonie wehen würden und auch kein Ausflug in die Idylle Islands zu erwarten war, zeigte sich gleich nach den ersten Takten von Lars Duppler und seinem Quartett. Rockig, schnell und schräg fegten die Vier alle Klischees weg, präsentierten ihre gegenläufige Recherche.

Was der Kölner Pianist (Fender Rhodes und Moog) und seine Musiker Johannes Beer (E-Gitarre), Philipp Bardenberg (E-Bass) und Jens Düppe (Schlagzeug) an mehreren Tagen im Sommer 2010 in Flateyri an einem Fjord in Nordisland austüftelten, hat wenig mit dem zu tun, was man gemeinhin mit der Insel verbindet. Island bestehe nicht nur aus Mystik, Elfen und Trollen, meint der Halb-Isländer Duppler.

Der Ausbuch des Vulkans Eyjafjallajökull, der im Frühjahr 2010 ganz Europa in Atem hielt, zeige etwa, "dass es da auch ganz gut abgehen kann". Auch die Szene komme gewaltig rüber. Er nennt Sigur Rós, GusGus, Björk und Múgison. Auch das sind Dupplers Wurzeln, die auf Isländisch "Rætur" heißen und dem Projekt und der dazugehörigen CD (Ear treat music) den Namen gaben.

Duppler bringt an diesem traumhaften Abend in der Harmonie alte Kirchenlieder und Balladen auf die Bühne, die nur noch in wenigen Akkorden oder durch ein A-cappella-Intro an das Original erinnern. Der Rest ist reine Energie und Spannung, eine Auseinadersetzung mit dem Ethno-Material auf hohem Niveau, mitunter in atemberaubendem Tempo und einer urigen Wucht, wenn Fender Rhodes, Schlagzeug, Bass und Gitarre wirklich alles geben.

Duppler kann da auf ungeheuer versierte, fantasievolle Leute zurückgreifen, die einen geradlinigen Blues und Rock ebenso vorantreiben wie wunderbar improvisieren und tüfteln können. In den Atempausen. Die gibt es tatsächlich. Sie führen die Musik zurück auf ihre Urbausteine.

Dupplers "Rætur" ist nicht nur die Suche nach biografischen Wurzeln, es ist auch die Suche nach den Urgründen des Klangs: Da knistern Plastiktüten, finden helle Glöckchen im dumpfen Tamtam, das aus Blumentöpfen kommt, ihren Kontrast, fahren der Moog-Synthesizer und Gitarre alle erdenklichen Verzerrungen und Verfremdungen auf.

Die Bühne wird zum Soundlabor, in dem Farben und Stimmungen kreiert werden. Dass das Experiment in einer schlanken Volksweise münden kann und dann zum bombastischen Rockmonster wird, gehört zu den Verwandlungen eines Abends, der mit Song-Titeln wie "Uptíningur", "Hamarinn", "Fagurt er i fjördum" nordische Exotik pur liefert. Wilden Wikingertanz inklusive.

"Vom Sound her Rock, vom Spirit eher Jazz", so klassifiziert Duppler sein Projekt "Rætur". Und seine wunderbare Interpretation von Björks "Venus as a boy" - eine von drei Zugaben - zeigt, was darunter zu verstehen ist.