"Sister Class" im Kleinen Theater Bad Godesberg Lieder und Lebenshilfe von und mit Katja Ebstein

Bonn · Sie besitzt ein mindestens ebenso loses Mundwerk wie Whoopi Goldberg alias Schwester Mary Clarence in der Erfolgskomödie "Sister Act". Sie trägt ausschließlich Schwarz-Weiß und genießt die Tatsache, dass sie sich morgens nicht den Kopf darüber zu zerbrechen braucht, was sie anziehen soll.

 Katja Ebstein als Schwester Marie Claire und Stefan Kling als Klosterbruder.

Katja Ebstein als Schwester Marie Claire und Stefan Kling als Klosterbruder.

Foto: Kleines Theater

Zumal der Platz in diesem Kopf für Wichtigeres gebraucht wird. Denn Schwester Marie Claire, die als Tochter eines amerikanischen Soldaten und eines deutschen Fräuleins in Brooklyn aufgewachsen ist, wusste nach ihrer stürmischen Liebe zu Johnny - dem Sohn eines baptistischen Reverends - intuitiv, wohin ihr Weg führen soll: mitten unters Volk, im Dienste des Herrn.

Dass sie zudem noch mit einer ausgesprochen ausdrucksvollen Stimme gesegnet wurde, verdankt sie in diesem Fall Katja Ebstein. Denn die Sängerin und Schauspielerin verkörpert die resolute Ordensschwester jetzt in "Sister Class": zu sehen im Kleinen Theater Bad Godesberg.

In einem Theaterstück? Nein, nicht ganz. Obwohl die Geschichte der Nonne, die sich zu mehr berufen fühlt, als die Hände zu falten und im Klostergarten Unkraut zu jäten, durchaus bühnenreif ist. Einem Liederabend? Nicht nur, denn das mit der Lebenshilfe meint Katja Ebstein durchaus so.

Falls es darum geht, ihre Erfahrungen mit dem Publikum zu teilen und den Jüngeren im Saal eines mit auf den Weg zu geben: Wirklich gut bist du nur, wenn du einmal mehr aufstehst, als du hingefallen bist. Das hat Schwester Marie Claire in New York gelernt. Und dass sie in ihrem missionarischen Eifer mitunter etwas übers Ziel hinausschießt, möge man ihr nachsehen. Bruder Stefan Kling am Klavier und Lutz Arkenberg als Hausmeister Karl kennen das bei ihr schon.

Und die Zuschauer sind schließlich gekommen, um einen Star aus der Ära zu sehen, als ARD und ZDF die Fernsehzuschauer noch in Millionen zählten und beim Grand Prix in Landessprache gesungen wurde. Als Katja Ebstein 1980 in Den Haag Zweite wurde, hatte ihre Bühnenfigur Marie Claire wahrscheinlich schon die Nonnentracht gegen die Uniform der Heilsarmee getauscht.

Und natürlich kann so ein Abend keinesfalls ohne "Theater" über die Bühne gehen. Auch "Wunder gibt es immer wieder". Und anschließend einen Ausflug ins klassisch-amerikanische Showbiz mit "Send In The Clowns", "As Time Goes By" und "My Funny Valentine". Auch wenn es nicht immer ganz zur Geschichte passt, auch wenn der rote Faden gelegentlich arg strapaziert wird - das Timbre in Ebsteins Stimme ist den Umweg wert.

In der zweiten Hälfte des Abends darf es dann auch gern ein wenig kritischer und politischer werden. Brecht und Heine sind dafür die passenden Wegbegleiter. Ein paar Anspielungen auf die katholische Kirche und Papst Franziskus, für den die ehemalige Ordensschwester (und deren Darstellerin womöglich auch) gewisse Sympathien hegt, und ein paar Seitenhiebe in Richtung "Generation Facebook" tun ihr Übriges. Lieber ist "der Ebstein" der direkte Kontakt von Mensch zu Mensch. Und dem Publikum sicher auch: gemessen am Premierenapplaus.

Weitere Vorstellungen vom 22. bis 25. August., am 30. und 31. August sowie im September. Karten gibt es in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen.

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