Ludovico Einaudi in der Kölner Philharmonie

KÖLN · Eigentlich hasse er Definitionen. Am ehesten möchte er jedoch Minimalist genannt werden, denn das bedeute für ihn Eleganz und Offenheit. Das sagt der italienische Pianist und Erfolgskomponist Ludovico Einaudi über sich selbst. In der Philharmonie präsentierte sich der 55-jährige nun als stiller Poet.

Dort formte er aus kleinen Motiven seine fünf- bis fünfzehnminütigen Stücke. Es sind quasi Improvisationen, die elegisch und oft in Moll durch den Saal hallten. Das Licht war wohltuend gedämpft, Träumen war angesagt. Kein Wunder, dass Einaudi als Filmkomponist ein festes Standbein hat. Bilder laufen zu den Klängen vor den inneren Augen automatisch ab.

Für seinen Score zu Giuseppe Piccionis "Nicht von dieser Welt" erhielt er 2002 sogar einen "Echo Klassik". Seine Musik ist zart und dezent, nie wird sein Anschlag laut. Lieber mixt er ein paar elektronische Effekte hinzu. Seit Mitte der 1990er tourt der Italiener durch Konzertsäle. Ruhig schreitet er auch diesmal auf die Bühne und stellt zunächst drei Tracks aus seinem Album "Nightbook" (2009) vor.

Mit diesen meditativen Stücken will er "zu einer tieferen Ebene von uns selbst vorzudringen. Die Musik öffnet die Pforten zu verborgenen Welten und ermöglicht es dem Hörer, mit seinen geheimsten Emotionen in Kontakt zu kommen." Am Ende beschleunigte Einaudi seine ostinaten Begleit-Figuren sogar im Stile von Philip Glass und bezog auch bedrohliche Basstiefen mit ein. Mit Zugaben dankte er den begeisterten Hörern. Insgesamt ein Konzert, das einen radikalen Gegenentwurf zur hektischen Welt draußen bot.

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