“Maestras“ im Arp Museum Geliebt, verehrt und dann vergessen

Bonn/Remagen · Das Arp Museum Rolandseck präsentiert in Kooperation mit dem Museum Thyssen-Bornemisza Madrid 51 Künstlerinnen aus vier Jahrhunderten in der eindrucksvollen Ausstellung „Maestras“.

„Ich werde Ihnen zeigen, zu was eine Frau fähig ist“: Unter dem Zitat von Artemisia Gentileschi hängen Judith-Darstellungen der Malerinnen Lavinia Fontana (links) und Fede Galizia im Arp Museum.

„Ich werde Ihnen zeigen, zu was eine Frau fähig ist“: Unter dem Zitat von Artemisia Gentileschi hängen Judith-Darstellungen der Malerinnen Lavinia Fontana (links) und Fede Galizia im Arp Museum.

Foto: Thomas Kliemann

Die als Motiv der Malerei unglaublich beliebte, blutrünstige Szene aus dem Alten Testament, in der die junge, schöne Judith den Belagerer Holofernes enthauptet und damit ihre Stadt rettet, kann durchaus als Akt der Emanzipation interpretiert werden. So ist es kein Zufall, dass an prominenter Stelle in der fantastischen Ausstellung „Maestras“ im Arp Museum gleich zwei Judiths, eine von Lavinia Fontana (1590/95), eine von Fede Galizia (1601/10), quasi im Entree auf einer lila Wand hängen. Und das unter einem vielsagenden Zitat der großartigen Malerin Artemisia Gentileschi: „Ich werde Ihnen zeigen, zu was eine Frau fähig ist.“ Ein unmissverständlicher Wink von Julia Wallner, Direktorin des Arp Museums Bahnhof Rolandseck, die mit ihrer großen, sensationellen Schau eines der bohrenden Probleme der Kunstwissenschaft aufgreift: die mangelhafte Repräsentanz von Frauen im Kunstbetrieb.

Für die Zeit zwischen 1500 und 1900 mit einem Ausblick in die frühe Moderne und 68 Bildern von 51 Künstlerinnen setzten nun Wallner und Kuratorin Susanne Blöcker ein Zeichen – in Kooperation mit dem Museum Thyssen-Bornemisza in Madrid, wo die Ausstellung in veränderter Form zuerst gezeigt wurde. „Maestras“ sei die erste Ausstellung dieser Art, so Wallner.

Gut vernetzt und mit Ehevertrag

Von der erwähnten Bologneser Malerin Fontana, die sich möglicherweise selbst als Judith porträtierte, weiß man, dass sie eine ausgezeichnete Netzwerkerin, erstklassige Künstlerin und gute Geschäftsfrau war, die die Malerwerkstatt des Vaters übernahm und sich per Ehevertrag zusichern ließ, dass ihr Mann, auch er ein Maler, für die elf Kinder, von denen drei überlebten, und den Haushalt zuständig war, sie fürs Geschäft. 134 Gemälde, darunter hochpreisige, die sie für die Kurie und Bologneser High Society malte, sind von ihr erhalten. Irgendwann wurde sie wie viele ihre Kolleginnen vergessen. In den 1970er Jahren im Klima der feministischen Bewegung hat man viele allmählich wiederentdeckt, erforscht, und sie werden seit einigen Jahren vermehrt ausgestellt.

Die Ausstellung im Arp Museum startet mit den gelehrten Malerinnen in Klöstern, Hildegard von Bingen, Gisela von Kersenbrock, und Pautilla Nelli, die schon von Künstlerbiograf Vasari gelobt wurde, wiewohl er bedauerte, sie habe nicht studieren dürfen. Porträtkunst und Stilllebenmalerei waren in Renaissance und Barock die beliebtesten Sujets der Malerinnen. Beide Genres sind mit erstklassigen Beispielen in der Schau vertreten. Hinreißend lebendig etwa die Porträts von Judith Leyster und Michaelina Wautier, beide höchst erfolgreich im Goldenen Zeitalter der Niederlande von Rembrandt & Co. Doch vergessen und erst Ende des 19. Jahrhunderts wiederentdeckt.

Einbruch im 19. Jahrhundert

Mit der erfolgreichen Mary Beale, mit Rosalba Carriera, Angelika Kaufmann und vielen anderen nähern wir uns dem 18. Jahrhundert, der Zeit der Aufklärung. Regentinnen wie Maria Theresia und die Zarin Katharina II. haben das Sagen, es gibt Mäzeninnen, die Künstlerinnen fördern und weiblich geführte Debattierklubs. Das Klima ändert sich abrupt mit dem Frauenbild des 19. Jahrhunderts, das sich auf den Einfluss des französischen Philosophen Jean-Jacques Rousseau (auch er ein Kind der Aufklärung) gründet: Die Frau als von ihm propagierte Hüterin von Heim und Kindern passt nicht zu dem Bild einer eigenständigen akademischen Malerin. Das 19. Jahrhundert ist in diesem Fall ein Rückschritt. Jedoch nicht künstlerisch: Zwar sehen wir Malerinnen wie Mary Cassatt und Marie Louise Petiet, die den häuslichen Inner Circle beleuchten, dies aber mit bestechender Virtuosität tun. Aber auch Figuren wie die Malerin und Aktivistin Annie Louisa Swynnerton, das erste weibliche Mitglied der Royal Academy seit dem 18. Jahrhundert – in ihrer Zeit ein Star der Szene, heute fast vergessen.

Der Parcours der „Maestras“ endet mit starken Bildern von Suzanne Valadon, Gabriele Münter und Marianne von Werefkin, außerdem mit starken Frauenpersönlichkeiten wie Käthe Kollwitz, Sonja Delaunay-Terk sowie Sophie Taeuber-Arp und dem Zitat von Alice Bailly: „Die Kunst ist keine Angelegenheit von Rock oder Hose.“ Insgesamt eine eindrucksvolle Schau, auf die wir noch zurückkommen werden. Und sicher nur ein Anfang. Fast das ganze 20. Jahrhundert fehlt noch.

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