Trinitatis-Kirche in Bonn Maler schafft für den Chorraum eine Installation

Bonn · Eine neue Generation von Kirchenfenstern, ein Set von Spielautomaten, Kirmesatmosphäre und Budenzauber? Solcherlei Eindrücke löst von weitem betrachtet jenes Kunstspektakel aus, das derzeit den Chorraum der Bonner Trinitatis-Kirche in einen Bühnenbildmagneten verwandelt.

 Anspielungsreich und voller Reize: Uwe Esser in der Installation seiner Werke im Chorraum von Trinitatis.

Anspielungsreich und voller Reize: Uwe Esser in der Installation seiner Werke im Chorraum von Trinitatis.

Foto: Uwe Grieser

Die von Uwe Esser stammende Inszenierung trägt die Überschrift: "Ein kleines Haus am Mississippi", ein Zitat oder Schlüsselmotiv aus Bert Brechts Ballett "Die sieben Todsünden (der Kleinbürger)", musikalisch untermalt von Kurt Weill, Uraufführung: Paris, 1933.

Der Gang um den Altar beschert die Begegnung mit sechs großformatigen Lichtkästen, einige ebenerdig auf Europaletten ruhend, andere hoch aufgebockt, verankert mit Stahlgerüsten. Auf den gewölbten Kunststoffwalzen (Transparent- und Spiegelfolie) der Schauseiten drängen sich, dank raffinierter Beleuchtungsstrategien sowie verwirrender, verzerrender Spiegeleffekte in den Blick: Türkis oder Ocker leuchtende Farbflechten, unterwandert von einer skizzenhaften Grafik, deren scheinbar vibrierende Linienakrobatik, figurative Erinnerungen aufkommen lässt.

Aufregend sind individuell eingerichtete Hinter- oder Innenräume des begeh- und benutzbaren Kollektivs. Der 1960 in Düsseldorf geborene, in Essen (Folkwang Universität) und an der Düsseldorfer Kunstakademie ausgebildete Maler animiert dazu, durch die Behausungen seiner Siedlung zu wandern. Träume, Sehnsüchte, Schwächen und Niederlagen, das Leitthema Tanz und am Ende das gesicherte Kleinbürgerleben in der ersparten Immobilie flackern paraphrasenhaft im Illusionstheater des Künstlers auf.

Evangelische Trinitatiskirchengemeinde Bonn, Brahmsstr. 14, bis 13. August. Di - Sa 10 bis 19 Uhr, So 11-14 Uhr und 16- 18 Uhr.

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