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Malte C. Boecker wird neuer Direktor des Bonner Beethoven-Hauses

Malte C. Boecker wird neuer Direktor des Bonner Beethoven-Hauses

Für Malte C. Boecker, der am 1. Mai sein Amt als neuer Direktor des Beethoven-Hauses antritt, wird der bevorstehende Umzug nach Bonn ein bisschen wie eine Heimkehr sein: Bis 1995 studierte er Jura an der Bonner Universität und erweiterte seine Ausbildung hier um ein Zusatzstudium in den Fächern Musikwissenschaft und Kunstgeschichte.

"Bonn ist mir vertraut und nach meinem Weggang nicht fremd geworden", sagt der 41-Jährige gestern in einem Gespräch. Tatsächlich gibt es einige familiäre Beziehungen, die ihn an die Beethovenstadt binden. Sein Bruder ist an der Uni-Klinik beschäftigt, darüber hinaus leben auch noch weitere Verwandte in der Region.

Geboren wurde Boecker 1970 in New York. "Mein Vater war aus beruflichen Gründen dort", berichtet er. Als der Sohn vier Jahre alt war, zog die Familie zurück nach Deutschland und ließ sich in der Nähe von Düsseldorf nieder. Sein Studium beendete Boecker allerdings nicht am Rhein, sondern 1997 mit dem zweiten juristischen Staatsexamen in Thüringen.

Im Anschluss wurde er 1997 bis 2000 Justiziar der europäischen Kulturhauptstadt Weimar. Zugleich war der junge Jurist dort Projektleiter für die Gründung von Daniel Barenboims "West Eastern Divan Orchestra", in dem junge Musiker aus Israel, Palästina sowie aus verschiedenen Staaten des nahen Ostens gemeinsam musizieren.

Als Barenboim die Organisation des Orchesters nach Chicago verlagerte, wo der Dirigent damals als Chef des Chicago Symphony Orchestra wirkte, wechselte Boecker zur Bertelsmann Stiftung nach Gütersloh. Dort ist er heute Mitglied im erweiterten Führungskreis. Der Kulturmanager hat unter anderem Projekte der Stiftung zum Dialog der Kulturen und zu den asiatisch-europäischen Beziehungen initiiert und begleitet.

Einen beruflichen Bertelsmann-Hintergrund hat auch der zurzeit noch amtierende kommissarische Direktor des Beethoven-Hauses, Manfred Harnischfeger. "Wir sind uns dort aber nie begegnet", sagte der frühere Kommunikations-Chef des Medien-Konzerns. "Als Boecker bei der Stiftung anfing, hatte ich Bertelsmann gerade verlassen." Boecker, der ein ausgewiesener Fachmann in Fragen des Stiftungsrechts ist, hat sich mit seinem beruflichen Hintergrund gegen 46 weitere Bewerber durchgesetzt.

Für die zwölfköpfige Findungskommission, der unter anderem Vertreter der öffentlichen Zuwendungsgeber und der Vorsitzende des Vereins, Kurt Masur, angehörten, hatte das gute Gründe. "Uns hat die Nähe zu den Think-Tank-Projekten beeindruckt", sagte Jochem Freiherr von Uslar gestern im Beethoven-Haus. Der stellvertretende Vorsitzende des Vereins Beethoven-Haus ist davon überzeugt, in Boecker einen Mann gefunden zu haben, der das Zeug hat, das Haus auf das große Jubiläumsjahr 2020 vorzubereiten. Dann feiert die Musikwelt den 250. Geburtstag des Komponisten.

Die erforderlichen neuen Strukturen sollen freilich von so nachhaltiger Qualität sein, dass sie auch noch 20 bis 30 Jahre lang fortwirken, sagte von Uslar. Das Haus könne vor allem von den Netzwerkkontakten Boeckers profitieren, ist der frühere Bonner Kulturdezernent überzeugt. Außerdem sei der künftige Direktor ein Kulturmanager, der "das kultur- und bildungspolitische Profil und die internationale Positionierung des Hauses weiter stärken wird".

Zu konkreten Plänen, wie die Weichen für die Zukunft gestellt werden sollen, wollten sich beide Seiten zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht äußern. "Natürlich ist das Thema 2020 eine tragende Säule", sagte Boecker. "Wir haben in der Bewerbungsphase auch schon konzeptionelle Ideen angesprochen. Mir ist es jetzt aber wichtig, zuerst mit den Mitarbeitern zu reden."

Die Suche nach einem neuen Direktor für das Beethoven-Haus war notwendig geworden, weil der Verein sich im Dezember 2010 wegen unüberbrückbarer Differenzen von dem damaligen Amtsinhaber Philipp Adlung getrennt hatte. Bis zur Regelung der Nachfolge hatte Harnischfeger, der bis dahin Mitglied im Vorstand war, die Leitung des Hauses kommissarisch übernommen. Mittlerweile sei der Arbeitsvertrag mit Adlung aufgelöst, sagte Harnischfeger gestern. Ob Harnischfeger nach dem 1. Mai wieder in den Vorstand wechselt? "Das soll er", findet von Uslar.