Wiegenlied mit Mandeln Mark Rosenthal im Foyer der Bonner Oper

BONN · "I'm so lucky to be me" aus Leonard Bernsteins Musical "On the Town" sang Tenor Mark Rosenthal als einzige Zugabe in der letzten Opera Xtra-Reihe unter Klaus Weises Intendanz im gut besuchten Foyer der Oper Bonn. Dem neu formierten Ensemble unter Leitung von Bernhard Helmich wird Rosenthal nach zehn Jahren als festes Mitglied nicht mehr angehören - es war daher sein Abschiedsabend, zu dem viele Fans, Freunde und Schüler erschienen sind.

So wie man ihn aus vielen Inszenierungen kennen und schätzen gelernt hatte, spielte er auch in der Zugabe sein komödiantisches Talent aus. "Hier zum letzten Mal vor Ihnen zu stehen, macht mich natürlich auch ein bisschen wehmütig", gestand er und bedankte sich beim Publikum. "Jüdische Wurzeln" hat er sein Programm genannt, das er zusammen mit Thomas Wise am Flügel vorbereitet hatte. Mit der Auswahl der Werke schlugen beide einen Bogen von der Renaissance bis zur Neuzeit, in dessen Vielfalt sich Rosenthal mit allen stimmlichen Facetten präsentieren konnte.

Religiös verhalten mit samtener Stimmfärbung in Salomone Rossis "Cantiques di Salomon Rossi" und Auszügen aus "Intonazione degli Ebrei Tedschi" von Benedetto Marcello, voller Affekte in Samsons Arie "Total Eclipse" aus Händels Oper Samson und viel Emotionen in der Arie des Eleazar "Rachel, quand du Seigneur" aus "La Juive" von Jacques Fromental Halévy.

Die Ambivalenz von Freude und Schmerz brachten beide in Mahlers "Liedern eines fahrenden Gesellen" sehr schön zum Ausdruck. Viel Herzblut legte Rosenthal in den zweiten Teil "Moderne jüdische / jiddische Musik". Auf Kurt Weills "Kiddusch" folgte eine Erstaufführung aus Rosenthals eigener Feder. "Jetzt bin ich doch etwas aufgeregt", scherzte er. Aber alles ging gut. "Sch'ma Koleynu" berührte die Zuhörer mit dem melancholischen Beginn und Schluss, der zum schnelleren Mittelteil apart kontrastierte.

Sehr traurig, aber auch voller Hoffnung geriet das Wiegenlied "Rozhinkes mit Mandeln" von Avrohom Goldfaden, das leise in den Konzentrationslagern und Ghettos gesungen wurde.

Mit viel Humor wiederum spielte Rosenthal den Lehrer in "In Cheider" von Moshe Milner, der seinen nicht immer folgsamen Schüler die Tora lehrt.

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