Beethovenfest Martin Grubinger und das Pittsburgh Symphony Orchestra

BONN · Beim ersten der beiden Konzerte des Pittsburgh Symphony Orchestra am Donnerstagabend beim Beethovenfest stand der Name Coriglianos neben demjenigen Maurice Ravels auf dem Programm, wobei sich das Schlagzeug-Konzert des Amerikaners mit dem Titel "Conjurer" stilistisch deutlich wagemutiger gibt als die Musik zum Film, dabei jedoch nicht weniger gediegen gearbeitet ist.

 Traum-Team: Grubinger (links) und Honeck.

Traum-Team: Grubinger (links) und Honeck.

Foto: Frommann

In dem Multipercussionisten Martin Grubinger hatte man freilich einen Solisten, der immer ein Garant für eine aufregende Aufführung ist. Corigliano rückt das Schlagwerk in seinen vielfältigen Erscheinungsformen deutlich ins Rampenlicht. Jeder der drei Sätze wird mit einer Solokadenz eingeleitet, der erste mit Xylophon und anderen Holz-Percussion-Instrumenten, der zweite mit deren metallenen Vettern, und beim dritten spielt der Solist auf allem, was mit einem Fell bespannt ist.

Für Grubinger (und seine Fans) war das natürlich ein Fest. Er spielte mit einer Präzision und Leidenschaft, deren Wirkung den Zuhörer vollkommen in Bann schlug. Den Blickkontakt zum Dirigenten Manfred Honeck hielt der stark beschäftigte Percussionist streckenweise mit Hilfe eines Spiegels aufrecht. In der längst nicht ausverkauften Beethovenhalle jubelte man Grubinger zu. Vor der Zugabe erinnerte er daran, dass dies nun sein letztes Bonner Konzert in der Ära von Ilona Schmiel sei, "der ich so viel zu verdanken habe". Dann legte er mit einem irrwitzigen Ragtime von Kurt Engel los, den er um ein paar improvisierte Charlston-Beinbewegungen ergänzte.

In Maurice Ravels "Rapsodie espagnole" zeigte das seit 2008 von dem Österreicher Manfred Honeck geleitete Pittsburgh Symphony Orchestra dann im Anschluss echte Filigran-Arbeit. Honeck arbeitete die Stimmungen, für die neben den vorzüglichen Streichern vor allem die nicht weniger homogen spielenden Holzbläser zuständig waren, mit großer Sorgfalt und Gespür für das feine Parfum und für die Eleganz dieser Musik heraus.

Das riesig besetzte Orchester setzte in dem magisch beschwörenden Prélude die dynamischen Nuancen mit der Präsision eines Kammermusik-Ensembles um. In diesem Satz gab der junge Konzertmeister Noah Bendix-Balgley schon einmal einen kleinen Eindruck von seiner Klasse (auf das große Solo, das er heute Abend in Strauss' "Ein Heldenleben" spielen wird, darf man sich freuen). Die Klangfarben und tänzerischen Rhythmen der Malagueña und der Habanera verwandelte das Orchester ebenso grandios wie die ausgelassene Stimmung im finalen Satz, Feria: Man erlebte ein rauschendes orchestrales Feuerwerk.

Dass ein Orchester die Summe exzellenter Solisten ist, hörte man anschließend in Ravels populärstem Werk, dem "Bolero", das Honeck auf großartige Weise vom kaum hörbar leisen Beginn bis zur finalen Klangorgie führte.

Das Publikum zollte den Musikern für diese Leistung mit begeistertem Applaus Respekt, den das spielfreudige Pittsburgh Symphony Orchestra mit drei Zugaben beantwortete.

Nach der lyrisch leisen Pavane von Gabriel Fauré ließ Honeck im Vorspiel zum dritten Akt aus Wagners Lohengrin die Muskeln jedoch ein bisschen zu sehr spielen. So laut wird man es in keinem Opernhaus hören. Zum Schluss dann Spaß pur mit Aram Khachaturians "Galopp" aus der "Masquerade". Hübsch, wie Klarinettist Michael Rusinek in seine kleine Solokadenz ein paar Beethoventöne als Reverenz an Bonn einflocht.

Heute Abend, 20 Uhr, spielt das Pittsburgh Symphony Orchester in der Beethovenhalle Werke von Peter Tschaikowski (Klavierkonzert Nr.1) und Richard Strauss (Ein Heldenleben), Solistin ist Yuja Wang (Klavier). Karten gibt es in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen.

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