Kölner Philharmonie MDR-Sinfonieorchester kann nicht überzeugen

Köln · Um ehrlich zu sein - hundertprozentig überzeugt haben uns das MDR Sinfonieorchester und sein neuer Chefdirigent Kristjan Järvi nicht mit ihrem Gastspiel am Dienstag in der Philharmonie.

In der ersten Hälfte stand Ulvi Cemal Erkans "Tanzknabenstück" von 1942 und John Psathas 2000 entstandenes Doppelkonzert für Klavier und Schlagzeug auf dem Programm, beides gut gespielt, beides substanziell kaum der Rede wert. Erkans großformatig besetztes Stück gefällt sich in permanenten Exotismen und einer melismatischen Rastlosigkeit, die für die Musik des Orients nicht untypisch ist.

Nur wirken die Arabesken auf westliche Ohren irgendwann ermüdend. Als Solitär wäre das vielleicht sogar durchgegangen, aber der nächste im Bunde, John Psathas, bedient sich rund 50 Jahre nach Erkan aus einem ähnlichen Fundus, indem er das musikalische Erbe seiner griechischen Vorfahren zur Grundlage seines Konzerts macht.

Beide Mittelmeerstaaten haben nicht nur gemeinsame Grenzen, sondern auch kulturelle Berührungspunkte. Soll heißen, dass uns Psathas mit einem Gestus entgegentrat, der von Erkans Standpunkt kaum abwich. Auch hier dominiert Motorik vor Melodik.

Die Perkussionistin Evelyn Glennie und ihre Dialogpartnerin Joanna MacGregor am Klavier haben Beachtliches geleistet in diesem Stück, dessen Unruhe nur von einem Mittelteil angehalten wird, der ein bisschen nach Hintergrundbeschallung im Esoterik-Buchladen klang. Geschmackssache.

Bleiben Mussorgskijs "Bilder einer Ausstellung". Nicht umsonst hat Ravels farbkräftige Orchesterfassung den Vorzug unter dem reichlichen Dutzend ähnlicher Versuche. Aber scheinbar hatten Teile des Orchesters keine rechte Lust auf diese Musik. Sei es, dass man sich in den Glasperlenspielereien der ersten Hälfte verausgabt hatte, sei es der Hitze des Tages geschuldet - herausgekommen ist kaum mehr als eine Pflichtübung.

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